Presseförderung neu: g’scheit oder gar nicht

Normalerweise brauche ich in der Früh eine Weile, bis ich einigermaßen munter bin. Am vergangenen Samstag ist das ungewöhnlich schnell passiert. Wer den Grund dafür wissen möchte, lese bitte die OTS-Aussendung des Magazins Profil mit Details zur Presseförderung neu. Darüber kann ich mich sogar noch Tage später aufregen. Vor allem darüber, dass jetzt sogar die beiden großen Gratiszeitungen etwas aus dem Geldtopf bekommen sollen. Dass Minister Drozda meint, für jedes Medium würden gute Leute arbeiten. Nun, bestimmt, aber die Presseförderung fördert ja, wie schon der Name verrät, nicht gute Journalisten an sich, sondern jene Medien, für die sie arbeiten. Und was nützt es, wenn Kollegen gute Artikel schreiben, die dann zwischen „Komet xy wird in Kürze die Erde zerstören“, „U-Bahn-Bomber! Panik, Panik!“, usw. erscheinen.

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Ein paar Gedanken zur „Causa Böhmermann“

Leute, ehrlich, ihr habt sie nicht alle.

Seit über einer Woche habt ihr nichts Besseres zu tun, als euch über Jan Böhmermann zu mokieren. Einen deutschen Satiriker, dessen Sendung „Neo Magazin Royale“ die meisten von euch wahrscheinlich noch nie gesehen haben. Einen meiner Meinung nach übrigens genialen Satiriker, von denen es dringend mehr bräuchte. Nämlich einen mit Hirn, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt und der provoziert.

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Wenn wir Gutmenschen sind, was seid dann ihr?

Es passiert jedes Mal, sobald irgendwelche Terroristen-Arschlöcher Menschen (in Europa, denn außerhalb Europas schockiert es uns meistens doch nicht so sehr, ist ja weit weg – nein, das ist kein Vorwurf, es ist nachvollziehbar, wenn auch sicher nicht richtig) ermorden: Anfangs sind wir alle fassungslos, dann unterhalten wir uns über das, was passiert ist. Aber … kabumm … es dauert nie besonders lange, gefühlt werden die Abstände sogar immer kürzer, da kommen die ersten gehässigen Kommentare gegen sogenannte „Gutmenschen“. Also gegen Leute wie mich und meine Freunde, die (in meinem Fall eh noch viel zu wenig) anpacken anstatt gegen Geflüchtete zu schimpfen/hetzen. Die Sätze sagen wie: „Ich hab doch nichts dazu beigetragen, dass ich hier geboren wurde, wo ich in Frieden leben darf. Haben das Recht nicht auch andere, die einfach nur scheiß Pech mit ihren Heimatländern hatten?“

Man darf sich übrigens die Frage stellen, was Arschloch-Terroristen mit Menschen, die eben genau vor diesem Krieg/Terror in ihren Heimatländern flüchten, gemein haben. Das nur am Rande.

Und wenn wir über Radikalisierung sprechen. Ich vermische das ungern, aber wenn wir schon dabei sind… In welcher Gesellschaft würdet ihr euch eher radikalisieren? In einer, die euch mit offenen Armen empfängt und euch die Chance auf ein Leben in Sicherheit gibt? Oder in einer, die euch mit Ablehnung und Hass begegnet? (Einschub Ende)

Das, was ihr als „Gutmenschentum“ bezeichnet, hat nichts mit Naivität zu tun. Sondern einfach nur mit der Tatsache, dass verdammt nochmal jeder das Recht auf ein menschenwürdiges Leben hat. Und da spaltet sich die Gesellschaft (inzwischen immer noch stärker, denke ich) in zwei Lager: Die, die helfen („Gutmenschen“, „Willkommensklatscher“), und die, die gemütlich auf ihren Hinterteilen sitzen, im Warmen, im Trockenen, mit allen Privilegien, die wir im schönen Österreich haben (ja was seid ihr dann eigentlich, was ist das Gegenteil von einem guten Menschen?). Wir alle genießen Privilegien, die diese Menschen auch hatten beziehungsweise noch hätten, wären sie nicht blöderweise in Ländern geboren, in denen wahllos Menschen abgeschlachtet werden.

Tut doch auch irgendwas, nach euren Möglichkeiten, irgendwas. Aber jammert und hasst nicht. Wir lassen die Leute nicht verrecken und wir „Gutmenschen“ tun nichts anderes als das, was wir uns in dieser Situation selbst wünschen würden: Dass man uns nicht verrecken lässt und uns eine Chance gibt.

Wie auch immer. Am Ende des Tages müssen wir uns alle in den Spiegel schauen. Die Frage ist: Könnt ihr das auch?

Die Leiden der freien Journalisten

Meine Kollegin Alexia Weiss hat im Gewerkschaftsmagazin „Kompetenz“ einen Artikel über die Arbeitsbedingungen von freien Journalisten (Seite 14 und 15) veröffentlicht. Dass ich gerade vor meinem Rechner sitze und nach Luft ringe, hat nichts mit ihr zu tun. Der Artikel ist gut.

Die Spucke bleibt mir einmal mehr weg, weil in dem Text unter anderem Franz C. Bauer, seines Zeichens oberster Journalistengewerkschafter, zitiert wird. Ich schätze Bauer als Journalisten sehr und ohne Zweifel hat die Gewerkschaft in der Vergangenheit viel für unseren Berufsstand getan, aber wenn es um freie Journalisten geht, orte ich eine absolut antiquierte Einstellung. „Die Tätigkeit des/der Journalisten/-in ist einfach kein Gewerbe“, sagt Bauer zum Beispiel. Und: „Das ist nichts, was man selbstständig machen kann. Man ist an die Infrastruktur des Verlags gebunden, hat Termine ein- und sich an vorgegebene Längen zu halten. Gestaltungsfreiheit gibt es nur in beschränktem Ausmaß. Und ob ich in der Redaktion oder von zu Hause aus arbeite, ist heute kein Kriterium mehr dafür, ob man angestellt wird oder nicht.“

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Doskozil, seine Abschiebe-Hercules und enttäuschte Erwartungen

Herr Doskozil, ich bin enttäuscht von Ihnen. Vor dem Sommer wusste ich nicht einmal, wer Sie sind. Dann kam die sogenannte „Flüchtlingskrise“ (fälschlicherweise impliziert dieser Begriff immer, dass Geflüchtete – schutzbedürftige Menschen – die Krise darstellen, in Wirklichkeit sind es wir, die mindestens eine Mitschuld an den Krisen/Kriege in ihren Heimatländern tragen und damit an den Fluchtursachen). Sie hatten ein paar gute Momente. Sie schienen überaus menschlich zu agieren (nachzulesen zum Beispiel in diesem Kurier-Interview), vermutlich haben Sie das auch.

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Vorauseilender Gehorsam wirft uns zurück – Kommentar zu Hassan Rohani und den verhüllten Statuen in Rom

So so, Rom hat also einige nackte Statuen auf dem Kapitol verhüllt. Aus Respekt vor der Kultur und dem Glauben des iranischen Präsidenten Hassan Rohani, der sich zum Besuch in Italiens Hauptstadt angekündigt hatte. Natürlich darf man sich darüber lustig machen, man darf sich auch darüber auslassen. Nur richten sich Witzchen und Häme wohl gegen den Falschen. „Geh bitte, lasst’s doch den Hassan ‪#Rouhani in Ruhe“, twitterte Kollege Erich Kocina (Die Presse). „Die Italiener waren in dem Fall die Deppen, also wenn, dann schimpft’s über die.“ Besser könnte ich es nicht ausdrücken.

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Nachtrag zur Debatte um das Verhindern (sexueller) Gewalt

Wenn ich sage, dass ich zumeist keine Angst habe, dass ich entsprechend agiere und reagiere, dann trifft das nicht automatisch für alle zu. Wir dürfen nicht immer davon ausgehen, dass alle so sind wir wir selbst. Vielleicht waren manche von uns schon immer selbstbewusst, das ist schön. Ich war es nicht immer und kann entsprechend nicht erwarten, dass in blöden Situationen jeder so reagiert wie ich es tue.

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Eine Armlänge – und wie genau verhindert das sexuelle Gewalt?

Nachdem Kölns Bürgermeisterin Henriette Reker vor ein paar Tagen erklärt hat, wie Frauen sich zu ihrem eigenen Schutz verhalten sollten (Stichwort: „eine Armlänge“), wollte ich schon was darüber schreiben. Ich hab’s dann doch nicht gemacht. Aber nachdem Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl gegenüber der Krone jetzt auch noch was zum Thema gesagt hat (Stichwort: „Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein“), frag‘ ich mich ernsthaft, was in dieser Gesellschaft falsch läuft.

Auch wenn ich zumindest bei Frau Reker gemutmaßt habe, ob sie sich nicht in ein echtes Wirrwarr geredet hat: Wem im Zusammenhang mit Köln und ähnlichen Vorfällen nichts anderes einfällt, als Frauen und Mädchen Verhaltensregeln aufzuzwingen, betreibt meiner Meinung nach Victim Blaming („Täter-Opfer-Umkehr“) vom Feinsten. Was soll uns das sagen?

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Mietzekatzen, ihr hattet eure 15 Minuten!

„In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes.“

Vor mehr als vier Jahrzehnten prophezeite Andy Warhol, in Zukunft werde jeder für 15 Minuten berühmt sein können. Die Zukunft ist jetzt. Und aktuell sind Katzen die Helden der Stunde. „Katzen gegen Terror“ lese ich bereits seit den Morgenstunden in meinem Twitter-Newsfeed. Ja, eh. Fand ich gestern auch super. Aber nun meldet sich meine Allergie gegen die Samtpfoten wieder heftig.

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