Normalerweise brauche ich in der Früh eine Weile, bis ich einigermaßen munter bin. Am vergangenen Samstag ist das ungewöhnlich schnell passiert. Wer den Grund dafür wissen möchte, lese bitte die OTS-Aussendung des Magazins Profil mit Details zur Presseförderung neu. Darüber kann ich mich sogar noch Tage später aufregen. Vor allem darüber, dass jetzt sogar die beiden großen Gratiszeitungen etwas aus dem Geldtopf bekommen sollen. Dass Minister Drozda meint, für jedes Medium würden gute Leute arbeiten. Nun, bestimmt, aber die Presseförderung fördert ja, wie schon der Name verrät, nicht gute Journalisten an sich, sondern jene Medien, für die sie arbeiten. Und was nützt es, wenn Kollegen gute Artikel schreiben, die dann zwischen „Komet xy wird in Kürze die Erde zerstören“, „U-Bahn-Bomber! Panik, Panik!“, usw. erscheinen.

Natürlich war es längst an der Zeit, die Presseförderung zu reformieren, an das neue Zeitalter anzupassen, dem wir sowieso ständig hinterher hinken. Dass auch Online-Medien wie nzz.at endlich als förderungswürdig gelten, finde ich gut. Dass allerdings Hetzplattformen wie unzensuriert damit möglicherweise ebenfalls staatlich unterstützt werden können, halte ich für einen Skandal. Schlimm genug, dass schon das rechte Blatt „Zur Zeit“ die längste Zeit über Presseförderung erhält (Quelle: www.voez.at/download.php?id=1804, Seite 129).

Qualitätsstandards? Eher Fehlanzeige.

Mit diesem Reförmchen (anders kann ich es nicht nennen) hat man meiner Meinung nach eine historische Chance verpasst, Medien endlich nach gewissen Qualitätsstandards zu fördern. Das halte ich für unendlich wichtig, gerade in einer Zeit, in der immer mehr Menschen die Demokratie am Boden sehen wollen – von Trump abwärts bis hin zum klassischen Besorgtbürger, der bloß seine Meinung bestätigt sehen will und alles, was ihm einen anderen Standpunkt aufzeigen könnte (eigentlich ja eine Aufgabe von Medien), reflexartig als „Lügenpresse!“ abkanzelt.

Der leider vor drei Jahren verstorbene, von mir schon während meines Publizistik-Studiums als Professor und auch später sehr geschätzte Medienwissenschafter Hannes Haas hat übrigens einst im Auftrag des Bundeskanzleramtes evaluiert, was es für eine Presseförderung neu bräuchte. Hier gibt’s die Studie zum Nachlesen. Das Einhalten bestimmter Qualitätsstandards war dabei ein ganz wesentlicher Punkt. Dieser fehlt für mich nun fast komplett. Medien, die Presseförderung beziehen, müssen nicht einmal Mitglieder im Österreichischen Presserat sein und damit unter anderem dessen Ehrenkodex anerkennen. Für mich sollte das wenigstens minimaler Standard sein. Anscheinend soll es zwar einen Bonus für jene, die das tun, geben, aber das war es dann auch schon wieder.

Arbeitsbedingungen als Förderungskriterien? Sucht man vergebens…

Während ich mich noch über die Presseförderung neu geärgert habe, hat mein Kollege Stephan Burianek, der sich ebenso wie ich und viele weitere Kollegen mit dem Verein Freischreiber Österreich für die Anliegen freier Journalisten einsetzt, Nägel mit Köpfen gemacht und in einem offenen Brief an den zuständigen Minister Thomas Drodza einen weiteren sehr wichtigen Punkt thematisiert: die Situation der Freien. Neben angestellten Redakteuren sorgen immer mehr freie Journalisten für mit qualitativ hochwertigen Inhalten gefüllte Zeitungsseiten. Wir arbeiten dabei selbstständig, auf eigenes Risiko und in den meisten Fällen für zu wenig Geld. Während einige Kollegen die Entscheidung nicht ganz freiwillig getroffen haben, gehen viele von uns diesen Weg bewusst, weil er neben allen Schwierigkeiten auch Vorteile bietet. Viele Redaktionen greifen gerne auf uns zurück – ob regelmäßig oder besonders zu Spitzenzeiten, wenn die fest angestellten Kollegen Unterstützung brauchen. Beide Gruppen sind wichtig und in der Regel bilden wir gute Teams, die aufeinander bauen können und sich gegenseitig ergänzen.

Daher finde ich es völlig in Ordnung, dass die Presseförderung nun mit der Anzahl der fixen Arbeitsplätze verknüpft wird, im Gegenzug hätte ich mir allerdings gewünscht, dass irgendwo auch wir Freien erwähnt werden. Eine Verbesserung unserer Arbeitssituation – die meisten Zeitungen bezahlen ihre Freien nicht nach dem aktuell gültigen, sondern weiterhin beharrlich nach dem alten Journalisten-Kollektivvertrag – geht mit der Presseförderung neu nicht einher. Wir müssen also auch künftig mit weniger Geld auskommen, gleichzeitig wird man uns weiterhin nach der von uns abgelieferten Qualität messen. Was berechtigt und wünschenswert ist, aber das muss man sich als Selbstständiger angesichts niedriger Honorare erst einmal leisten können. Viele von uns, denen guter Journalismus am Herzen liegt, finanzieren diesen übrigens häufig dadurch, dass sie auch Kunden aus dem zumeist besser bezahlten PR-Bereich bedienen. Und manche Kollegen „verlieren“ wir früher oder später überhaupt an die PR, weil sie den ständigen Überlebenskampf leid sind. Verständlich.

Hier gibt es Stephans Brief an Minister Drozda, unterzeichnet von unserem Freischreiber-Vorstand, zum Nachlesen.

Besonders rosig ist die Situation übrigens selbst für angestellte Journalisten nicht immer. Auch an deren Arbeitsbedingungen dürfte sich mit der neuen Regelung jedoch nichts ändern. Der Kollektivvertrag scheint kein Kriterium zu sein, wie Clemens Neuhold vom Profil auf Nachfrage twittert.

Ich finde: Wer tatsächlich vorhat, die mediale Qualität und Vielfalt zu fördern (und das sollte eine Aufgabe des Staates sein), müsste völlig andere Maßstäbe ansetzen. Wenn man dazu anscheinend nicht gewillt ist, wäre es möglicherweise besser, es überhaupt bleiben zu lassen. Schade.

 

–> Es gibt inzwischen übrigens auch eine Online-Petition, die man unterstützen kann. Bei Interesse einfach hier entlang.