Vorauseilender Gehorsam wirft uns zurück – Kommentar zu Hassan Rohani und den verhüllten Statuen in Rom

So so, Rom hat also einige nackte Statuen auf dem Kapitol verhüllt. Aus Respekt vor der Kultur und dem Glauben des iranischen Präsidenten Hassan Rohani, der sich zum Besuch in Italiens Hauptstadt angekündigt hatte. Natürlich darf man sich darüber lustig machen, man darf sich auch darüber auslassen. Nur richten sich Witzchen und Häme wohl gegen den Falschen. „Geh bitte, lasst’s doch den Hassan ‪#Rouhani in Ruhe“, twitterte Kollege Erich Kocina (Die Presse). „Die Italiener waren in dem Fall die Deppen, also wenn, dann schimpft’s über die.“ Besser könnte ich es nicht ausdrücken.

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Nachtrag zur Debatte um das Verhindern (sexueller) Gewalt

Wenn ich sage, dass ich zumeist keine Angst habe, dass ich entsprechend agiere und reagiere, dann trifft das nicht automatisch für alle zu. Wir dürfen nicht immer davon ausgehen, dass alle so sind wir wir selbst. Vielleicht waren manche von uns schon immer selbstbewusst, das ist schön. Ich war es nicht immer und kann entsprechend nicht erwarten, dass in blöden Situationen jeder so reagiert wie ich es tue.

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Eine Armlänge – und wie genau verhindert das sexuelle Gewalt?

Nachdem Kölns Bürgermeisterin Henriette Reker vor ein paar Tagen erklärt hat, wie Frauen sich zu ihrem eigenen Schutz verhalten sollten (Stichwort: „eine Armlänge“), wollte ich schon was darüber schreiben. Ich hab’s dann doch nicht gemacht. Aber nachdem Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl gegenüber der Krone jetzt auch noch was zum Thema gesagt hat (Stichwort: „Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein“), frag‘ ich mich ernsthaft, was in dieser Gesellschaft falsch läuft.

Auch wenn ich zumindest bei Frau Reker gemutmaßt habe, ob sie sich nicht in ein echtes Wirrwarr geredet hat: Wem im Zusammenhang mit Köln und ähnlichen Vorfällen nichts anderes einfällt, als Frauen und Mädchen Verhaltensregeln aufzuzwingen, betreibt meiner Meinung nach Victim Blaming („Täter-Opfer-Umkehr“) vom Feinsten. Was soll uns das sagen?

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Mietzekatzen, ihr hattet eure 15 Minuten!

„In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes.“

Vor mehr als vier Jahrzehnten prophezeite Andy Warhol, in Zukunft werde jeder für 15 Minuten berühmt sein können. Die Zukunft ist jetzt. Und aktuell sind Katzen die Helden der Stunde. „Katzen gegen Terror“ lese ich bereits seit den Morgenstunden in meinem Twitter-Newsfeed. Ja, eh. Fand ich gestern auch super. Aber nun meldet sich meine Allergie gegen die Samtpfoten wieder heftig.

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Wir sehen einander bei Facebook. Und (dann) auf einen Kaffee.

Wir leben in einer Parallelwelt. Das ist schlecht. Aber auch gut. „Wie antidigital ist die digitale Zukunft?“ haben Bernhard Heinzelmaier und Philipp Ikrath von der Trendagentur tfactory sowie Beate Grosegger vom Institut für Jugendkulturforschung kürzlich im Rahmen einer gemeinsamen Präsentation gefragt. Wie erleben junge Menschen digitale Medien und wie gehen sie damit um? Ist der „Aussteiger“ von heute der Freak von gestern? Und wird es tatsächlich so sein, dass das Kind oder der junge Erwachsene mit ADHS künftig als „normal“ gelten wird, während jene, die Bücher lesen, sich in Ruhe mit sich selbst beschäftigen, als seltsam wahrgenommen werden, wie Heinzelmaier mutmaßt?

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Tiefe Gräben

Leicht gekränkt darf man als politisch interessierter Mensch, der sich klar gegen Rechts ausspricht, dieser Tage nicht sein. Zumindest nicht in Österreich, wo am Sonntag immerhin rund jeder fünfte meiner Landsleute die FPÖ gewählt hat. Ich sei intolerant, weil ich andere ausgrenze, habe ich gleich mehrmals in Folge gehört. Weil ich nämlich eine Partei ausgrenze, die selbst andere ausgrenzt. Die ganz massiv gegen Minderheiten hetzt. Das Ironische dabei: Ich habe nicht einmal die Macht, die Rechtspopulisten tatsächlich auszugrenzen. Leider. Ich kann nichts dagegen tun, dass Susanne Winter nun schon wieder in „mein“ Parlament einzieht. Die Politikerin war vor wenigen Jahren offiziell wegen Hetze verurteilt worden.

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Qual der Wahl

Ein bisschen beneide ich diejenigen, die ihre Stimme bereits per Briefwahl abgegeben haben. Aber erstens zelebriere ich den Wahlsonntag bis heute: Ich mag es, in meinem Sprengel bekannte Gesichter zu sehen, ich mag es, mit den Leuten zu plaudern, ich mag es, wenn langsam die ersten Hochrechnungen reinkommen. Und was viel wichtiger ist: Ich habe – wie angeblich derzeit noch jeder vierte wahlberechtigte Österreicher – keine Ahnung, wem ich meine Stimme geben soll. Selbstverständlich kann ich einige Parteien für mich ausschließen: Weil sie absolut nicht annähernd das vertreten, wofür ich lebe und stehe, weil sie niederträchtige, menschenverachtende Wahlkämpfe bzw. Schlammschlachten führen und in Wirklichkeit wohl sogar noch näher am braunen Rand zu finden sind, als es ihre Plakate und Programme verlautbaren, weil ich Profilierungssüchtige von noch Profilierungssüchtigeren glaube, unterscheiden zu können.

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Bitte gehen Sie weiter. Hier ist nichts erlaubt!

Anlässlich der aktuellen Raucher-/Nichtraucherdiskussion in Wien holen Rauch(er)hassende Nichtraucher wieder einmal ihre schönsten Argumente hervor: Die armen Kinder, die zwangsbeglückt werden! Die armen Mitarbeiter in Lokalen, die den Rauch aushalten müssen! Die armen Nichtraucher, die in Raucherräumen und Raucherlokalen von bösen Rauchern belästigt werden! Die typisch österreichische „Zwischenlösung“ konnte nicht funktionieren – verbieten wir das Rauchen gleich überall! In anderen Ländern funktioniert es doch auch!

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Gleiches Recht für alle!

Kommenden Freitag heiraten zwei liebe Freundinnen von mir. Eigentlich ist „heiraten“ ja das falsche Wort, offiziell nennen wir es in Österreich „Eingetragene Partnerschaft“. Wieso? Weil die (von Menschen gemachte!) Ehe zwischen Mann und Frau angeblich heilig und damit nicht für jeden zugänglich ist. Schlimm genug. Ich darf übrigens auch keine Trauzeugin sein, sondern nur irgendeine Begleitperson. Immerhin hat der Verfassungsgerichtshof den Paaren mittlerweile das Recht auf offizielle „Begleitpersonen“ zugesprochen. Bis vor ein paar Wochen hätte es für mich noch geheißen: Dabei sein ist alles. Juhu. Immerhin.

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