Wir sehen einander bei Facebook. Und (dann) auf einen Kaffee.

Wir leben in einer Parallelwelt. Das ist schlecht. Aber auch gut. „Wie antidigital ist die digitale Zukunft?“ haben Bernhard Heinzelmaier und Philipp Ikrath von der Trendagentur tfactory sowie Beate Grosegger vom Institut für Jugendkulturforschung kürzlich im Rahmen einer gemeinsamen Präsentation gefragt. Wie erleben junge Menschen digitale Medien und wie gehen sie damit um? Ist der „Aussteiger“ von heute der Freak von gestern? Und wird es tatsächlich so sein, dass das Kind oder der junge Erwachsene mit ADHS künftig als „normal“ gelten wird, während jene, die Bücher lesen, sich in Ruhe mit sich selbst beschäftigen, als seltsam wahrgenommen werden, wie Heinzelmaier mutmaßt?

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Gleiches Recht für alle!

Kommenden Freitag heiraten zwei liebe Freundinnen von mir. Eigentlich ist „heiraten“ ja das falsche Wort, offiziell nennen wir es in Österreich „Eingetragene Partnerschaft“. Wieso? Weil die (von Menschen gemachte!) Ehe zwischen Mann und Frau angeblich heilig und damit nicht für jeden zugänglich ist. Schlimm genug. Ich darf übrigens auch keine Trauzeugin sein, sondern nur irgendeine Begleitperson. Immerhin hat der Verfassungsgerichtshof den Paaren mittlerweile das Recht auf offizielle „Begleitpersonen“ zugesprochen. Bis vor ein paar Wochen hätte es für mich noch geheißen: Dabei sein ist alles. Juhu. Immerhin.

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M.

Es ist jedes Jahr das Geiche: Ich finde jemanden, der mit mir zum Zentralfriedhof fährt. Ich verlaufe mich zwischen den Urnengräbern, bin nah am Verzweifeln, finde es aber doch immer wieder, wenn auch nicht auf Anhieb. Ich setze mich davor, rauche eine Zigarette und führe ein für andere vielleicht seltsam anmutendes Gespräch. Mit M. Ein Mensch, der weit länger aus meinem Leben verschwunden ist, als ich ihn überhaupt kannte. Jemand, der trotzdem weit präsenter in meinem Leben geblieben ist, als es manch andere je könnten.

Ich war nie verliebt in M. Eigentlich weiß ich nicht mal, wieso ich es nie war. Er sah gut aus, war lustig, offen, sympathisch. Ich mochte ihn als Menschen. Einfach für das, was er war. Wir hatten einen tollen Sommer – und als der zu Ende war, war es auch sein Leben. Zerschmettert in vielen Metern Tiefe. Das Warum konnte niemand verstehen. Depressionen sollen es gewesen sein. Ein Grund, ja. Aber keiner, der das Verstehen einfacher macht.

Als es passiert ist, hatte ich gerade einen netten Abend mit Freunden. Aber als ich „es“ am nächsten Tag erfahren habe, war der tolle Sommer schlagartig zu Ende. Als M. den Kampf eine Woche später endgültig verloren hatte (oder „gewonnen“ – ich hoffe bis heute, dass er die Entscheidung wenigstens wieder so getroffen hätte…), hat das ein tiefes Loch in mein Leben und in das vieler anderer gerissen. Allen voran in das seiner Familie.

M. war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Die meisten Menschen hätten meine Person damals mehr hinterfragt. Er hat mich so genommen, wie ich war. Dass er sich selbst nicht einfach so annehmen konnte, hatte ich nicht geahnt. Menschen wie M. sind selten. Ich kenne nur wenige. Wenn er mir etwas hinterlassen hat, dann mit Sicherheit das, dass ich seitdem umso mehr versuche, einfach ich zu sein. Let it be. Dass ich das Leben gierig einsauge, weil es zu wertvoll ist. Dass ich versuche, da zu sein, auch wenn ich nicht immer weiß, ob ich genau genug hinhöre.

Und ich werde Coldplays „In my Place“ nie ganz unbedarft hören können. M.s Freunde haben sich damit von ihm verabschiedet. Aber ich höre es gerne. Es erinnert mich an eine schöne Zeit und einen außergewöhnlichen Menschen. Und an das Ende eines Sommers, an dem ich wohl ein bisschen erwachsener geworden bin. Auch wenn ich damals lieber einfach aufgewacht wäre…

Vielleicht warte ich heuer nicht bis August…

Luftschlösser

„Luftschlösser lassen sich leicht aufbauen, aber schwer abreißen.“ – Ist es am Ende die Angst davor, die Luftgebilde irgendwann nicht mehr los zu werden, die die meisten Menschen davon abhält, ihr Leben kreativ zu meistern? Was ist gegen ein paar bunte Luftschlösser oder auch -paläste einzuwenden? Was ist falsch daran, sein Leben in die Hand zu nehmen und glücklich zu sein? Warum sollte es besser sein, anderen regelmäßig gut dosiert Stiche zu verpassen, als einmalig eine schmerzhafte Entscheidung zu treffen und allen Beteiligten eine bessere Zukunft zu ermöglichen?

An alle, die nicht mehr an Luftschlösser glauben: Eines Tages, da werdet ihr ungefähr 80 oder 90 Jahre alt sein, werdet ihr in einem tristen Altersheim mit weiß gestrichenen Wänden und pistaziengrüner Bettwäsche liegen. Ihr werdet an euer Leben zurück denken und euch fragen: Soll das alles gewesen sein? Wäre ich glücklicher gewesen, wenn ich mich gegen den gut bezahlten, aber langweiligen Job entschieden hätte und ein Risiko eingegangen wäre, um meinen beruflichen Traum zu verwirklichen? Wäre ich mit einem anderen Partner möglicherweise besser dran gewesen? Hätten es unsere Kinder einfacher gehabt, wenn sie nicht jahrelang unter dem emotionslosen Anschweigen ihrer Eltern gelitten hätten? Warum bin ich nicht in den Süden gezogen, obwohl ich das Klima hier mein Leben lang gehasst habe? Was hinterlasse ich dieser Welt eigentlich? Habe ich mein Leben wirklich so gelebt, wie ich es mir als Kind selbst versprochen habe? Habe ich mich selbst so geliebt, wie ich es verdient gehabt hätte?

Seid kreativ, gestaltet!

Hört auf, mühevoll eure Luftschlösser abzureißen, bevor ihr sie überhaupt fertig gebaut habt! Macht was aus eurem Leben, nutzt das Hier und Jetzt. Gebt euch nicht mit dem Wenigen ab, das euch zufliegt, sondern macht euer Leben bunter. Gestaltet, seid kreativ, seid mutig! Selbst wenn das heißt, manchmal auch schmerzhafte Entscheidungen treffen zu müssen – für euch selbst und für andere. Nur so kann aus einem Luftschloss auch Realität werden.

Und wenn ihr jetzt sagt: „Hä, die spinnt doch!“, dann lebt euer tristes Leben eben die nächsten 50 Jahre weiter – aber lasst bloß die Finger von meinen Luftschlössern, sonst werde ich zur Furie. Und zwar ganz real, nicht im erträumten oder herbei gesehnten Sinne. 😉