Worte zweier „Wut-Donaustädter“

Offener Brief von Sabine Karrer und Michael Woditschka,
9. März 2012

Frei nach „Ober-Wutbürger“ Roland Düringer: Wir sind wütend. Geladen, stinksauer, ang’fressen, zornig. Zuerst waren wir wütend auf die Wiener Linien, die Kaisermühlen nicht ausreichend an die U2 angeschlossen haben. Wütend auf die Tatsache, dass der Bus 90A nicht die läppischen paar Meter weiter zur Donaustadtbrücke fährt, sondern auf der Donauinsel Rast macht, um anschließend wieder zur U1 zurück zu fahren. Während zahlende Kunden besonders im Winter in der Kälte auf 91A bzw. 92A warten müssen. Auf die Frage, wieso das so sei, ob denn ein stehender Busfahrer billiger sei als ein fahrender – tja, eine zufriedenstellende Antwort (sprich: Erklärung) sind die Wiener Linien bis heute schuldig geblieben.

Und wir beide waren nicht alleine wütend. Unsere Wut haben wir gemeinsam mit ein paar Freunden kurzerhand in einer Facebook-Gruppe zum Ausdruck gebracht. Woraufhin sich ein Redakteur der Bezirkszeitung bei uns gemeldet, unsere Positionen angehört und darüber berichtet hat. Mit Namen, mit Foto – logisch, wir haben ja nichts zu verbergen, im Gegenteil: Wir wollen etwas.

Jetzt sind wir noch wütender. Was nicht am Zeitungsartikel liegt. Der war gut. Menschen sprechen uns seitdem auf der Straße an und wünschen uns alles Gute für die Aktion. Wütend sind wir, weil die FPÖ Donaustadt ein Flugblatt verbreitet, das neben gewohnt populistischen Inhalten eben auch jenen Artikel aus der Bezirkszeitung auf einer halben Seite abbildet. Freilich MIT unseren vollen Namen. Und Es ist nicht nur die Tatsache, dass wir politisch keiner Partei ferner stehen als der FPÖ, die unsere Wut entfacht hat. Wir fühlen uns missbraucht. Das Mindeste wäre gewesen, vorher Kontakt mit uns und/oder dem Redakteur aufzunehmen. Nicht einmal dafür hat der Anstand der zuständigen Herren gereicht.

Wir haben die Facebook-Initiative „Liebe Wiener Linien, verlängert endlich den 90A in Kaisermühlen zur U2“ ausdrücklich privat ins Leben gerufen – und uns bereits des Öfteren jede parteipolitische Einflussnahme verboten. Ein Hinweis, der übrigens auch hier ausnahmslos bei einigen der FPÖ nahe stehenden Personen notwendig war. Alle anderen scheinen es verstanden zu haben. Und wir scheinen in ein Wespennest gestochen zu haben. Was mit harmlosen Gesprächen unter Freunden begonnen hatte („Ich habe jetzt mal den Wiener Linien geschrieben.“ – „Aja, das habe ich schon vor Monaten, aber da kam keine g’scheite Antwort.“ – „Mich regt das auch so auf mit dem 90A.“ – „Wisst ihr was, gründen wir einfach mal eine Facebook-Gruppe und lassen wir dort unserem Unmut freien Lauf.“), rief offenbar auch die Donaustädter FPÖ auf den Plan, die die „Idee“, für eine Verlängerung des 90A zu kämpfen, als ihre ansieht („Es kommt ned so viel auf dich an, denn du hast das Rad nicht erfunden, es war die FPÖ, die dieses Problem im Jahr 2011 aufgegriffen hat und nicht ein Bürger, der sich profilieren will“, schreibt etwa FPÖ-Bezirksrat Walter Kalab in unserer [offenen] Facebook-Gruppe.)

Erstens: Wir sind nicht eine oder zwei Personen, wir sind viele. Zweitens: Niemand will sich profilieren. Wir wollen lediglich das machen, was so gerne gepredigt wird: Uns als einfache Donaustädter für eine Sache engagieren, die uns wichtig ist, gelebte Politik im Alltag betreiben statt Parteipolitik. Drittens: Es scheint zur Taktik bzw. zum Stil zumindest einiger FPÖ-Politiker zu gehören, persönlich untergriffig zu werden. So rasch wird man also zum Spielball dieser Partei. Na bravo. Die FPÖ hat sich schon immer auf Kosten anderer versucht zu profilieren. Es geht hier nicht um persönliche Befindlichkeiten („Ich war zuerst da! Das ist mein Thema!“), sondern darum, in der Causa etwas weiterzubringen.

Und nun? Ausgerechnet UNSERE Namen auf einem FPÖ-Propaganda-Flugblatt? Noch dazu auf diese missbräuchliche Art und Weise? Kurz waren wir schon geneigt, uns mit der Vorstellung anzufreunden, unsere Wohnungen nur noch nachts zu verlassen. Aber dann dachten wir uns: Wieso eigentlich? WIR haben nichts Schlimmes getan – im Gegenteil. WIR setzen uns für eine gute Sache ein, WIR haben dafür niemanden missbraucht bzw. instrumentalisiert. WIR können uns morgens in den Spiegel schauen. Und WIR würden jedes Mal wieder so handeln. Weil es nicht nur gut, richtig und wichtig ist, für etwas zu kämpfen. Sondern weil es auch so verdammt einfach ist. Wenn einem nicht eine Partei wie die FPÖ dazwischen funkt, um sich (wieder einmal) mit fremden Lorbeeren zu schmücken. Tja, sie waren eben ihrer Meinung nach zuerst da und sie denken nicht im Traum daran, einfache Bürger etwas in Bewegung zu bringen. (So sollte Demokratie aber eigentlich funktionieren!)

Vielleicht sollten sich alle, die dieses System unterstützen, einmal fragen, ob sie das wirklich mittragen wollen. Ich weiß schon, Parteipolitik ist mühselig, wenig populär, zu schimpfen ist immer einfacher als sich wirklich zu engagieren. Und einige „da oben“ sind verdammt korrupt, haben keine Ahnung von den Problemen „da unten“ und man möge sich auch über vieles berechtigt ärgern. Wir verstehen das! Aber werfen Sie bitte einmal einen Blick hinter die Kulissen. Das hier ist ein Paradebeispiel für manipulatives und instrumentalisierendes Verhalten.

Sabine Karrer, Michael Woditschka

Hier der vorangegangene Artikel aus der Bezirkszeitung - das FPÖ-Flugblatt, um das es hier u.a. geht, mag ich ehrlich gesagt nicht abbilden...

 

Abgefahren #2

Die Telefonate in der U-Bahn werden immer genialer. Bursch A zu wem-auch-immer: „Ja und auf Facebook bei City Ville, weißt eh… Schick ma das, dass ich mein Restaurant endlich eröffnen kann, oida.“
Euda.

Abgefahren #1

Rrring rrrrring… „Also wenn du das machst, dann brauchst mich nie wieder anrufen! Nie wieder! Hörst du?!? Niiiiiiieeeee wieder!!“ Aufleg. Rrrrrrring rrrrrrriiiiiing… „Nein verstehst, nie wieder! Meld dich nie mehr! Es ist aus!!!! Tschüsss!“ Zapp… Ab in die Wirklichkeit. „Stephansplatz… Umsteigen zu den Linien…“ Moment, das IST die Wirklichkeit. Manchmal ist so eine U-Bahn-Fahrt doch unterhaltsamer als es eine Soap jemals sein könnte…

Doppelte U2-Nachwehen

Morgen werde ich an dieser Stelle berichten, wie das „U2“-Konzert war. Versprochen. Heute muss ich nur mal meinen Frust über die miese Organisation loswerden. Die bestand nämlich offenbar darin, nichts zu tun. Bzw. am Veranstaltungsort, dem Praterstadion, die Besucher möglichst schnell loszuwerden, und am anderen, der U2-Station „Stadion“ die Menschen möglichst lange wie Vieh zusammenzuhalten und bloß nichts zu unternehmen, um die Leute auf kürzestem Weg nachhause zu schicken.

Kein Bier, kein Klo, keine U-Bahn

Dabei hatten wir uns noch für ach so schlau gehalten, uns nach dem Konzert gemütlich ein letztes Bier zu genehmigen und erst mal die Massen ziehen zu lassen. Um dann erst beinahe samt Bier und dazugehörigem Pfandbecher aus dem Stadion geworfen zu werden (Security: „Ihr müsst da jetzt weg.“ Wir: „Wenn ihr uns sagt, wohin.“ S: „Am besten ganz raus. Harrharr.“, danach aus der Warteschlange am Klo fast entfernt zu werden (Security: „Raus mit euch, wir machen jetzt zu.“ An dieser Stelle erwähne ich der Vollständigkeit halber, dass das Konzert zu diesem Zeitpunkt maximal 15 Minuten vorbei war. Wir: „Sorry, aber wir warten da jetzt schon ewig, könnt ihr bitte noch so kurz warten?“ S: „Sag mal, ich glaub ihr hört schlecht. Geht jetzt. Sofort!“ Aber wir haben uns durchgesetzt, weil wir einfach nicht weggangen sind. Um ehrlich zu sein hätte es mich gar nicht gewundert, wenn diese blöden so genannten „Sicherheitsleute“ uns mit Gewalt entfernt hätten… Weil wir aufs Klo mussten. Nach einem Konzert, für das die 70 Euro für meine Karte noch wenig war, von dem, was wir im Laufe des Abends an Geld dortgelassen hatten, rede ich gar nicht…). Positiv wäre allerdings anzumerken, dass wir zwar wie Vieh im Klo-Vorraum gedrängt waren, aber lustig hatten wir es, nachdem der erste Ärger verflogen war. Ähm, Bono wird einen Song für uns armen, von bösen Securities unterdrückten Frauen schreiben, er weiß es nur noch nicht. 😉

Und ganz am Schluss sind wir erst gar nicht in die blöde U2 reingekommen. Ich muss sicher nicht extra betonen, dass dort kein freundliches Wiener Linien-Personal stand, das uns sagen konnte, wie, was, wo, wann. U-Bahn-Garnituren sind ja auch massenweise unterwegs gewesen. Scherzerl. Manche haben wahrscheinlich eine Stunde oder noch länger gewartet, um endlich in die Station zu kommen. Hey echt, als hätten „U2“ heute völlig überraschend vor über 70.000 Menschen im Stadion gespielt!! Frag mich echt, wer den Schmarr’n genauso genehmigt hat, ohne entsprechende Maßnahmen für Sicherheit, Abtransport etc. zu setzen. Hauptsache irgendwer verdient dran. So scheint es leider. Bloß nicht das bisschen Hausverstand aktivieren, um die Konzertbesucher gut, rasch und sicher nachhause zu bringen. Und bitte schon gar nicht vielleicht zusätzliche Busse einzusetzen oder wenigstens den 84B durchfahren lassen. Umleiten? Gibt’s nicht, sollen die blöden Leute doch sehen, wer sie heimbringt…

U2 wieder, aber bei Gastgebern, die es können

Übrigens könnte das Ganze im Nachhinein auch ein Experiment gewesen sein. Eine Schulfreundin, die ich zufällig nach dem Konzert getroffen habe, hat wohl beobachtet, dass jemand die eingepferchten Menschen vor der Station „Stadion“ gefilmt hat. Vielleicht ein Lehrvideo der Wiener Linien? Mit dem Arbeitstitel „So nicht“??

Vielleicht doch noch kurz etwas zu „U2“: Es war gut, aber nicht grandios (um eine liebe Freundin zu zitieren). Ich muss mal drüber schlafen. Trotzdem: Ein „U2“-Konzert gerne jederzeit wieder – allerdings dann sicher nicht in Wien!! 🙁

Gorillas in der U4

Neulich in der U-Bahn:

Normal aussehende Dame links neben mir zur Dame, die ihr gegenüber sitzt:

„Tschuldigung?!“

„Ja?“

„Wie schreibt man Gorilla? Mit Doppel-R oder Doppel-L? Also den… den Affen.“

„Mit Doppel-L.“

„Super. Danke.“ Und tippt weiter in ihr Handy.

Es menschelt in der U4. Ich find das super (und hab mich gleichzeitig kaputt gelacht, ich geb’s zu.)

Nur noch 35 Minuten – Oder: Während ich schlief

Freitag, 19:00 Uhr, U1 Praterstern. Die Frisur hält. Dienstag, 18:50, U1 Karlsplatz. Die Frisur hält. Fraglich nur, wozu die Frisur halten soll, wenn ich mal wieder wegen eines schadhaften Zugs im Bahnsteig bleiben muss. Und warten muss. Worauf eigentlich? Auf Godot? Oder wenn ich zu Fuß über die Reichsbrücke humpeln muss (für die Verletzung können die Verkehrsbetriebe freilich nichts, das muss ich ihnen zu Gute halten), weil gar nichts mehr geht. Gut, dass die Brücke nicht eingestürzt ist – oder ich nicht in der Leopoldau wohne (wofür die Verkehrsbetriebe im Übrigens genauso wenig können, auch das sollte klar sein). Taxis gibt’s natürlich grad keine. Die paar haben sich die Leute gekrallt, die nicht wie Lemminge auf Weiterfahrt (auf das Wunder!) gewartet haben.

Dass es zusätzlich leicht beunruhigend ist, via Handy vom Informanten (aka Bruder) zu erfahren, dass in Kaisermühlen der angeblich schadhafte Zug steht, der gerade von der Mannschaft dreier Feuerwehrzüge in Beschlag genommen wird, dass im Hintergrund ständig dieses ätzende Sirene heult, dass der Stationsbereich durch die Polizei mit Absperrbändern(!) vor wahnsinnigen, einfach-dringend-irgendwo-hin-müssenden Fahrgästen geschützt wird… Naja, war dann wohl doch nix.

Liebe Wiener Linien, bitte tut was für eure treuen Fahrgäste (und um es in euren Worten auszudrücken „FahrgästInnen“)! Schafft neue U-Bahn-Garnituren an – oder steht von mir aus dazu, dass die Bauarbeiten rund um die U2 schuld daran sind. Aber redet! Bitte! „Dieser Zug muss eingezogen werden“ (samt dazugedachtem „Euda“) und „Hier ist Endstation, alle aussteigen, der Zug fährt wieder in die andere Richtung“ (wenn ich von der Vorgartenstation nicht wirklich eine Alternative außer Taxi oder verzweifelte Anrufe bei autofahrenden Freunden habe) sind per se nicht wirklich Aussagen!

Dienstag, 19:25 Uhr, Kaisermühlen. Endlich raus aus der U-Bahn. Die Frisur hält (erstaunlicherweise noch immer). Mir wurscht. Ich will, dass meine Jahreskarte ihr Geld wert ist. Wenn schon alles andere keinen Wert hat.

P.S: Wenn ich schon zum wiederholten Mal über 30 Minuten für eine Strecke von nicht mal zehn Minuten brauche, hätte ich mir beim Aussteigen wenigstens Sekt und Brötchen erwartet. Vielleicht beim nächsten Mal?