Abgefahren #2

Die Telefonate in der U-Bahn werden immer genialer. Bursch A zu wem-auch-immer: „Ja und auf Facebook bei City Ville, weißt eh… Schick ma das, dass ich mein Restaurant endlich eröffnen kann, oida.“
Euda.

Beruf verfehlt?

„Kommst du kurz mit rüber?“

„Was, da über die Schnellstraße? Nö, da bringen mich keine zehn Pferde rüber. Ich bleib da und beobachte den Kukuruz.“

(… dumdidum, die Minuten vergehen…)

„Hey, schaut mal, was ich gemacht hab!!“

„Also wenn wir noch ein bisschen da bleiben, drehe ich dem daneben Dreads! Und der andere schaut nach Föhnfrisur aus, oder?“

–> Wir geben Vollgas – natürlich MIT mir im Auto. 😉

McMenschenleben

Wer mich kennt weiß, dass mir relativ selten die Worte fehlen. Über den schrecklichen Ausgang der Loveparade in Duisburg wollte ich schreiben, seit es passiert ist. Aber ich konnte nicht. Wahrscheinlich, weil es zu unfassbar ist. Weil die meisten von uns schon einmal in einer Situation waren, in der sie dachten „oje, das geht vielleicht nicht gut aus“. Aber freilich ist es bei uns gut ausgegangen. Hier nicht. Nun haben wir alle die Bilder des Dramas gesehen. Auf YouTube oder auf Blogs und in diversen Foren. Wir haben gelesen und gesehen, wie gerade noch ausgelassen Feiernde die Katastrophe er- und überlebt haben. Wie groß die Anteilnahme auch unter jenen ist, die nicht einmal in der Nähe waren. Wen das kalt lässt, der trägt sein Herz kaum am rechten Fleck. Was meinen Sie, Frau Hermann?

Rainer Schaller und Adolf Sauerland sind nur zwei Namen, die stellvertretend stehen für eine menschenverachtende Macht: die von Profitgier und Profilierungssucht. Ich nehme beiden sogar ab, dass sie derzeit nicht gut und nicht viel schlafen. Wahrscheinlich tut es ihnen sogar leid. Ihnen und allen anderen, die sich jetzt gegenseitig beschuldigen. Bis hin zu den vielzitierten „kleinen Rädchen“, den Bauhacklern und Ordnern, die möglicherweise blind Befehle ausgeführt haben, die sie insgeheim für unverantwortlich gehalten haben. Menschen, die sich – wie nach und nach herauskommt – haben unter Druck setzen lassen, die mörderischen Pläne zu unterschreiben. Und Mächtige aus Politik und Wirtschaft, die wohl unter Druck gesetzt haben. Auch wenn natürlich die Unschuldsvermutung gilt.

Fakt ist: 1,4 Millionen vorwiegend junge Menschen wollten feiern. Love, Peace and Techno. Sie alle haben sich vertrauensvoll in die Hände von Stadt und Veranstalter begeben. So wie wir es machen, wenn wir ein Flugzeug besteigen oder ein Lokal besuchen. Wir müssen vertrauensvoll davon ausgehen, dass alles Menschenmögliche getan wird, um für unsere Sicherheit zu garantieren. Nun sind 21 Menschen tot. Und über 500 wurden teils schwer verletzt. Eltern müssen dieser Tage ihre Kinder begraben. Für Hunderte und Tausende wird das Leben nie mehr so sein wie vor dem 24. Juli 2010.

Gerichte werden die Schuldfrage klären. Darauf berufen sich ja auch die nach unserem Verständnis Schuldigen. Schaller, Sauerland, Behörden und Co hüllen sich weitgehend in Schweigen. Ja, es tue ihnen leid. Was passiert sei – aber Schuld hätten letztlich trotzdem die anderen. Oder (ich empfinde das als blanken Hohn angesichts der im Internet kursierenden Handyvideos) gar die Verunglückten selbst.

Ein aufrichtiges „Entschuldigung, wir haben richtig Scheiße gebaut, Sicherheitsstandards missachtet, aus reiner Profitgier und Profilierungssucht am falschen Ende gespart, Menschen, die sich uns anvertraut haben, praktisch in eine Todesfalle geschickt.“ wäre angebracht. „Oder wenigstens einfach nur ein ehrlich gemeintes „Entschuldigung“. Solche Worte würden Eltern ihre Kinder auch nicht mehr zurück bringen. Aber sie hätten es verdammt nochmal trotzdem verdient. Und meine Generation hätte es verdammt nochmal verdient zu sehen, dass Leben IMMER vor Geld steht. Ob im Golf von Mexiko oder in Duisburg. Gleichzeitig muss es das Aus bedeuten für „noch hörer, noch schneller, noch weiter“, für immer noch mehr Risiko. Aus für die Mcs: die McGeiz-ist-Geils, die McSicherheits, die McMenschenleben.

ZUR ERSTEN, ZUR ZWEITEN…

Inmitten von Bauern und Händlern auf der einzigen Muschelauktion der Welt zu sein, ist eine Ehre. In Yerseke/NL ist das Ereignis allerdings kein allzu besonderes, immerhin findet die Auktion mehrmals (ich glaube zweimal) pro Woche statt. Dann laufen alle Muschelschiffe aus der Umgebung in den Königin-Juliana-Hafen ein, wo Muscheln zu Gold… naja Geld werden. Aus jeder Ladung werden Proben genommen, vermessen, gewogen usw. Hektisches Treiben. Nervosität. Werden die Muscheln den Ansprüchen der Händler gerecht werden? Letztere können an einer großen Tafel die Werte jeder einzelnen Ladung ablesen.

Im Auktionsraum finden sich immer mehr Menschen ein. Die Händler besetzen die ersten Reihen. Ich höre, es sei nicht gut, dass es immer weniger und dafür größere Zwischenhändler gebe. Das senke die Preise für die einzelnen Muschelbauern. Und auch die Händler können kaum zufrieden sein, betrachtet man teilweise die niedrigen Preise für Muscheln, die der Endverbraucher zahlt. Aber davon ist in dem großen Saal nichts zu bemerken.

Ein bärtiger (beim Durchsehen der Fotos fällt mir auf, dass er gar nicht bärtig ist, aber ich hatte ihn bärtig in Erinnerung. Also bleibt er bärtig.) Holländer eröffnet die Auktion. Jeder der anwesenden Händler kann mitbieten – am Ende erhält der Meistbietende den Zuschlag. Rund 30 Schiffe sind heute an der Reihe. Nach und nach werden sie aufgerufen. Immer wieder halte ich den Atem an. Und stelle an dieser Stelle fest, dass das nicht weniger spannend ist als ein Fußballmatch. Der Leiter der Auktion schlägt den Schlägel gegen die Glocke und ruft laut „Gesluiten!“ Was so viel heißt wie „Auktion beendet“. Es folgen der Name des Käufers und der Preis. „Unser“ Schiff ist im letzten Drittel an der Reihe. Bald danach verlassen wir die Auktion. Das ist der Unterschied zum Fußball: Heute muss ich nicht wissen, wie es ausgeht. „Wir“ haben nicht gewonnen. Aber auch in der Muschelzucht gibt es eben bessere und schlechtere Jahre.

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URLAUB AM (FAST-)MEER

Sie suchen Entspannung? Wo geht das besser als im rund 6000 Einwohner fassenden holländischen Städtchen Yerseke? So könnte eine Beschreibung dieses wunderbaren Ortes lauten. Tun manche wahrscheinlich sogar. Und sie haben Recht. Was aber ehrlich gesagt nicht nur an der Muschel- und Austernmetropole liegt, sondern vor allem auch an J. und K., die mich hier beherrbergen. Dazu muss man wissen, dass ich mit meiner Familie vor ca. 25 Jahren zum ersten Mal hier war. Und dann wieder und wieder, alle zwei bis drei Jahre. Yerseke ist so etwas wie meine zweite Heimat geworden. Nicht, weil ich so gut Holländisch spreche (Schande über mich, ich verstehe zwar einiges, aber sprechen… leider bis heute Fehlanzeige) oder hier so wahnsinnig viele Freunde habe, von J. und K. abgesehen. Aber weil ich mich wohl jedes Mal unglaublich frei gefühlt habe, wenn ich die Zeeland’sche Luft eingeatmet habe.

Weil ich hier blind zum Hafen und zum Strand finde. Zum einzigen Supermarkt im Ort. Und weil ich das Gesicht des Mannes, der im Haushaltswarengeschäft so ziemlich alles verkauft, immer wieder erkenne. Weil ich schon x-mal mit K.s Schiff mitgefahren bin, um zuzuschauen, wie sie die Qualität der Muscheln überprüfen oder einen Teil der Ernte einholen. Was ich seit jeher faszinierend finde. Weil ich nie vergessen werde, wie P. mich mitsamt der Leiter zurück in das Muschelbecken befördert hat, das wir als Schwimmbecken zweckentfremdet haben. Wie ich dabei gelacht habe. Weil ich hier das genialste Barbecue ever erleben durfte: auf einer Sandbank mitten in der Oosterschelde. Und weil ich hier jedes Mal O. treffe, den einzigen netten Franzosen, den ich in meinem Leben kennengelernt habe. Und wahrscheinlich überhaupt einen der nettesten und höflichsten Menschen, den es gibt. Und letztlich, weil ich die Oosterschelde sogar irgendwie als Meer anerkenne, obwohl es eigentlich keines ist. Einfach so, weil Yerseke cool ist. Zum Seele baumeln lassen, zum Entschleunigen und zum Wiederauftanken.

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IT’S A BEAUTIFUL DAY…

Für alle, die ebenso unmotiviert in der Arbeit sitzen und bei denen das Wetter draußen keine Sommerlaune aufkommen lässt:

Farin Urlaub/Glücklich:

Bist du Fleischermeister, studierst du Medizin?
Bist du ein Zugereister oder kommst du aus Berlin?
Bist du Dominatrix oder doch eher devot?
Bist du Pianistin oder Hubschrauberpilot?

Es ist egal, was du bist.
Hauptsache ist, es macht dich glücklich!
Es ist egal, was du bist.
Hauptsache ist, es macht dich glücklich!

Bist du süchtig nach Liebe,
oder bist du Misanthrop?
Bist du vielleicht ein Model (ein Sex-Sex-Model),
oder eher ein Zyklop?

Bist du gern im Schatten,
oder immer tief gebräunt?
Bist du ein Gourmet?
Bist du Imbissbudenfreund?

Es ist egal, was du bist.
Hauptsache ist, es macht dich glücklich!
Es ist egal, was du isst.
Hauptsache ist, es macht dich dicklich!

Lass dir bloß keinen Scheiß andrehen!
Das Leben ist schön!
Es ist egal, was du bist.
Hauptsache ist, es macht dich glücklich!

Es ist egal, was Du fährst.
Solang‘ du noch klärst es hat ein Rücklicht!

Und falls du mal kein Rücklicht hast,
dann nimm eine Taschenlampe

Beautiful Day/U2

The heart is a bloom
Shoots up through the stony ground
There’s no room
No space to rent in this town

You’re out of luck
And the reason that you had to care
The traffic is stuck
And you’re not moving anywhere

You thought you’d found a friend
To take you out of this place
Someone you could lend a hand
In return for grace

It’s a beautiful day
Sky falls, you feel like
It’s a beautiful day
Don’t let it get away

You’re on the road
But you’ve got no destination
You’re in the mud
In the maze of her imagination

You love this town
Even if that doesn’t ring true
You’ve been all over
And it’s been all over you

It’s a beautiful day
Don’t let it get away
It’s a beautiful day

Touch me
Take me to that other place
Teach me
I know I’m not a hopeless case

See the world in green and blue
See China right in front of you
See the canyons broken by cloud
See the tuna fleets clearing the sea out
See the Bedouin fires at night
See the oil fields at first light
And see the bird with a leaf in her mouth
After the flood all the colors came out

It was a beautiful day
Don’t let it get away
Beautiful day

Touch me
Take me to that other place
Reach me
I know I’m not a hopeless case

What you don’t have you don’t need it now
What you don’t know you can feel it somehow
What you don’t have you don’t need it now
Don’t need it now
Was a beautiful day

Holareidi! Wiens Hausberge rufen

Es wird a Wein sein...
Es wird a Wein sein...

Eine hervorragende Idee war auch der dritte Wiener Weinwanderweg 2009. Da mitzugehen musste ich mir nicht zweimal sagen lassen. Immerhin führt die Straßenbahn fast direkt von zuhause nach Strebersdorf, dauert halt eine gute gute Stunde – und noch länger, wenn man auch noch im Aufzug der Wiener Linien stecken bleibt (danke für’s Befreien, auch wenn’s gedauert hat!). Entschädigt haben das wunderbare Herbstwetter, der tolle Ausblick vom Bisamberg auf die Stadt und der nur allzu köstliche Sturm von Wiener Weinreben (davon geh ich einfach mal aus). Mehr Fotos Weinwanderweg: http://www.wien.gv.at/umwelt/natuerlich/