Geschafft! Und weiter geht’s …

Drei Jahre. So lange bin ich inzwischen selbstständig. Konkret seit dem 1. April (kein Scherz ;)) 2012. Und ich darf sagen: Es wird nicht weniger mühsam, aber es wird immer besser, es macht immer noch mehr Spaß. Und zwar noch mehr als vor drei Jahren. Denn damals war nicht klar: Würde ich überhaupt so lange durchhalten? Habe ich genug Auftraggeber? Verdiene ich genug? Schaffe ich es, die Sozialversicherungsbeiträge im dritten Jahr zu zahlen, wenn sie rapide erhöht werden? Daran scheitern bekanntlich viele, wobei ich das Wort „Scheitern“ nicht negativ besetzen möchte. Denn es kann jedem passieren, dass es sich irgendwann nicht mehr ausgeht. Sei es durch Krankheit oder sei es, weil wir einfach in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit leben.

Wenn mich jemand fragt, ob er oder sie sich auch selbstständig machen soll, sage ich in der Regel: Klar, versuch’s! Wer es nicht probiert hat, wird niemals wissen, ob er oder sie es nicht geschafft hätte. Einfacher ist es natürlich, wenn man – wie ich – keine großen Investitionen tätigen muss. Im Prinzip brauche ich nicht viel mehr als mein MacBook, Stift, Papier, mein Aufnahmegerät, meinen Schreibtisch, ein paar Grafikprogramme, für die man längst nicht mehr auf einmal viele tausend Euro hinlegen muss, sondern sie monatlich abonnieren kann, mein Telefon und – vor allem – mein Gehirn. Krank werden darf man natürlich möglichst nicht, das ist in meinen Augen aber schon der größte Nachteil an der Selbstständigkeit. Existenzängste sind sicher selbstverständlich, aber je mehr Auftraggeber man hat, umso kleiner wird diese Sorge. Im dritten Jahr sind sie bei mir definitiv weniger geworden.

Ich kann auch verraten, was ich in den bisher drei Jahren gelernt habe:

  • Dass Vernetzung wichtig ist. Irgendwie bin ich kurz nach meiner Unternehmensgründung zu einem Grüppchen anderer freier Journalisten gestoßen. Daraus hat sich schließlich der Verein Freischreiber – ein Netzwerk freier Journalisten in Österreich – entwickelt, nach dem Vorbild der deutschen Freischreiber, die uns von Anfang an sehr unterstützt haben. Dass ich eines der Gründungsmitglieder der österreichischen Freischreiber sein darf, macht mich ein kleinwenig stolz. Es ist viel Arbeit, die wir neben unserer unternehmerischen Tätigkeit allesamt ehrenamtlich machen. Und natürlich ist man immer wieder frustriert, weil man am liebsten sofort Bäume umreißen würde. Aber auch, wenn ein Schritt nach dem anderen notwendig ist, wenn wir nach und nach Grashalme oder hin und wieder auch Sträucher ausreißen und keine mächtigen Bäume, bereue ich meine Entscheidung keine Sekunde lang. Wir wachsen, wir werden immer kämpferischer, wir tauschen uns aus. Ich habe in den letzten Jahren tolle Menschen kennengelernt, lerne auch weiterhin tolle Menschen kennen, nicht nur beruflich, sondern auch privat. Und mein unternehmerisches Selbstbewusstsein ist in der Zeit ganz stark gewachsen.
  • Dass ich bereits ein Netzwerk aufgebaut hatte, bevor ich mich überhaupt selbstständig gemacht hatte – das war mir anfangs ehrlich gesagt überhaupt nicht bewusst. Es ist eines der schönsten Dinge, die ich bisher erfahren habe: Dass Menschen, mit denen ich in der Vergangenheit zusammengearbeitet habe, frühere Kollegen, Teamleiter und Vorgesetzte, vollstes Vertrauen in mich setzen. Das macht einen schon auch ein bisschen stolz, offenbar hatte ich auch in der Vergangenheit einiges richtig gemacht.
  • Dass man nicht zu viele verschiedene Themenfelder auf einmal bedienen sollte. Das muss ich allerdings noch lernen. Es ist natürlich ungemein härter, sich nicht ausschließlich auf ein paar wenige Themen zu konzentrieren, sondern ständig umdenken zu müssen. Andererseits kann ich bis heute nicht anders, als in unterschiedliche Bereiche „hineinzuschnuppern“, wenn es sich ergibt. Irgendwie erweitert das letztlich auch den Horizont. Trotzdem: Bestimmte Schwerpunkte zu bedienen, sich in diesem Rahmen bestenfalls einen Namen zu machen, das ist verdammt wichtig.
  • Dass man ruhig mutig sein kann, auch mal neue Wege gehen darf und soll. Vorträge zu halten ist zum Beispiel nichts, was ich bisher gerne gemacht habe. Aber warum es nicht versuchen, wenn auch erst einmal im kleinen Rahmen. Im Mai darf ich jungen Menschen erzählen, wie es als Freie so ist. Ich habe keine Ahnung, wie das wird, ich weiß auch nicht, ob ich es gut machen werde, aber ich werde es danach wissen. Und wer weiß, vielleicht mache ich sowas in Zukunft öfter. Und es sind auch neue Aufträge, bei denen man nicht weiß, ob man sie sich zutraut. Aber hey, wenn man es nicht versucht, weiß man es nicht. Nein sagen kann man immer noch.
  • Dass man – und das ist vielleicht das Wichtigste, das ich anderen Selbstständigen in spe mitgeben kann – darauf achten sollte, sich bewusst freie Zeit einzuteilen, um sich zu erholen und den Kopf freizubekommen. Denn ansonsten stößt man irgendwann an seine Grenzen und kann nicht mehr die Leistung erbringen, die man gerne erbringen möchte beziehungsweise ja muss, um finanziell (über)leben zu können. Ich war knapp davor, habe aber rechtzeitig die Kurve gekriegt. Und weiß inzwischen, was ich tun muss, damit der Kopf frei bleibt oder wieder wird. Auch, wenn ich dennoch immer wieder an Grenzen stoße, man ist ja doch irgendwie ein Selbstausbeuter. Nobody’s perfect.
  • Dass es Menschen gibt, die an einen glauben. Ob das Familie und Freunde sind oder letztlich auch Auftraggeber. Wenn man dann hin und wieder ein Lob bekommt oder einfach ein anerkennendes „Cool, wie du deinen Weg gehst“, dann wächst man schon mal um ein paar Zentimeter. Und die schützen einen definitiv vor einem Absturz, wenn irgendwas nicht so klappt, wie man es gerne hätte.
  • Dass man nicht jeden Auftrag um jeden Preis annehmen muss, sofern man es sich auch nur irgendwie leisten kann. Faire Bezahlung ist wichtig, eine gute Zusammenarbeit ist wichtig, gegenseitiges Vertrauen ist wichtig. Auch das lernt man nach und nach, Stolperfallen gehören dazu. Wichtig ist nur, dass man daraus lernt.

In diesem Sinne danke an alle, die mich in den letzten Jahren in welcher Art auch immer unterstützt haben – und es weiterhin tun. Nachdem ich vermutlich auch das verflixte dritte Jahr überleben werde, darf es munter weitergehen. Ich freue mich auf die nächsten Jahre!

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