Kategorie: Blog

  • Lübeck–Hamburg – Oder: Die kürzeste lange Reise der Welt

    Lübeck–Hamburg – Oder: Die kürzeste lange Reise der Welt

    Eine kleine Reisekatastrophe in mehreren Stationen: mit Hitze, Hilfsbereitschaft, einem gelben Koffer und einer Hündin, die beinahe sehr schlechte Reiseerfahrungen gemacht hätte.

    Personen

    • ICH
    • MANN AN DER HALTESTELLE
    • BUSFAHRER
    • SCHAFFNER
    • FRAU, DIE AUF IHREN MANN WARTET
    • MANN MIT BLICK FÜR FARBEN
    • FRAU MIT GOOGLE ÜBERSETZER
    • ZWEI JUNGE MÄNNER
    • MANN AUS DER KLEINEN REISEGRUPPE
    • FRAU MIT VENTILATOR
    • ZWEI JUNGE FRAUEN
    • HELFERIN
    • ZUGFÜHRERIN
    • ZWEI MÄNNER
    • ÄLTERER HERR
    • MEHRERE FAHRGÄSTE
    • HÜNDIN

    1. Lübeck

    Bushaltestelle in Lübeck. Sommerhitze. Der Reisebus steht noch da. Rascher Abschied von meinen Freund:innen, den Mitreisenden und dem Busfahrer. Dann bin nur noch ich da, mit meinem gelben Reisekoffer.

    MANN AN DER HALTESTELLE
    Wenn Sie den Bus brauchen: Der steht hinter dem Reisebus da.

    Ich werfe noch einen wehmütigen Blick zurück, steige ein und grüße den Regionalbusfahrer.

    ICH
    Ich müsste noch ein Ticket kaufen.

    Der BUSFAHRER winkt ab und grinst.

    ICH
    Hamburg Umgebung ist freundlich zu mir.

    Am Bahnhof kaufe ich dann natürlich wenigstens mein Zugticket und ziehe meinen gelben Koffer Richtung Bahnsteig.

    Ein MANN bleibt stehen. Er schaut auf den Koffer. Dann auf mich.

    MANN MIT BLICK FÜR FARBEN
    Gelb.

    Er geht weiter.

    ICH
    Okay. Ein bisschen seltsam war das jetzt schon.

    Kaum drei Minuten später sitze ich im Zug. Eine Durchsage. Unruhe.

    DURCHSAGE
    Wegen eines Stellwerkschadens auf der Strecke kommt es zu Einschränkungen.

    ICH
    Deutsche Bahn halt. Nicht nur ein Klischee.

    Der SCHAFFNER eilt durch den Zug, gestikuliert, erklärt, versucht Ordnung herzustellen. Er wirkt weniger wie ein Zugbegleiter als wie jemand, der den Verkehr auf einer mehrspurigen Straße regelt.

    SCHAFFNER
    Was für ein Chaos.

    Er versucht, eine FRAU in den Zug zu bringen.

    SCHAFFNER
    Steigen Sie ein!

    FRAU, DIE AUF IHREN MANN WARTET
    Ich warte noch auf meinen Mann.

    SCHAFFNER
    Wo ist der Mann?!

    FRAU, DIE AUF IHREN MANN WARTET
    Ich weiß es nicht. Gerade war er noch da.

    SCHAFFNER
    Was für ein Chaos.

    Aus den Lautsprechern kommen lange Erklärungen. Auch dazu, was ein Stellwerkschaden ist.


    2. Im Zug

    Eine mittelalte FRAU MIT GOOGLE ÜBERSETZER und sehr vielen Taschen setzt sich neben mich. Ich mache mit meinem gelben Koffer Platz. Sie lächelt dankbar.

    Sie tippt auf ihrem Handy und zeigt mir den Bildschirm.

    FRAU MIT GOOGLE ÜBERSETZER
    Was passiert jetzt? Fährt der Zug nach Hamburg?

    ICH
    Stellwerkschaden. Wir müssen vielleicht umsteigen. Wir werden es erfahren.

    Später hält sie mir ihr Handy wieder hin.

    FRAU MIT GOOGLE ÜBERSETZER
    Warum sind Züge hier so schlecht, es ist hier nicht einmal Krieg.

    Ich lese es. Schaue sie an.

    ICH
    Ja.

    Mehr fällt mir dazu auch nicht ein.

    In Ahrensburg müssen wir alle aussteigen.

    SCHAFFNER
    Irgendwie weiter mit Bus oder zu Fuß. Irgendwo fährt die U-Bahn.

    Er seufzt.

    SCHAFFNER
    Was für ein Chaos.


    3. Ahrensburg

    Eine Bushaltestelle in einem Hamburger Vorort, in den ich nie wollte. Hitze. Wenige Busse. Volle Busse.

    ICH
    Bus Nummer eins kann ich vergessen.

    Bus Nummer zwei hält. Ich habe schon einen Fuß in der Tür. Der BUSFAHRER schließt sie.

    ICH
    Oida!

    ZWEI JUNGE MÄNNER stehen in der Nähe.

    ICH
    Wisst ihr, wie weit es zur U-Bahn ist?

    ERSTER JUNGER MANN
    Nicht genau. Wir sind auch nicht von hier.

    ZWEITER JUNGER MANN
    Angeblich sind es ungefährt eineinhalb Kilometer.

    Wir schauen alle drei auf meinen gelben Koffer und lachen.

    ICH
    Das kann ich vergessen.

    Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt Bus Nummer drei. Ich steige ein.

    ICH
    Endlich.

    Der Bus ist wieder sehr voll. Und heiß.


    4. Der Saunazug

    U-Bahn Richtung Hamburg Hauptbahnhof. Überfüllt. Keine Klimaanlage. Alle schwitzen.

    Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Menschen schwitzen. Manche im Gesicht. Manche am Kopf. Manche offenbar ab dem Hals abwärts. Die meisten von uns allerdings überall, spätestens nach den ersten Minuten. Das ist keine Übung, das ist Sauna mitten in der Sommerhitze.

    Ich entdecke mehrere Menschen mit Koffern.

    Die müssen sicher auch zum Hauptbahnhof.

    Ich stelle mich zu ihnen.

    ICH
    Ich folge einfach euch.

    Der MANN AUS DER KLEINEN REISEGRUPPE steht neben mir.

    MANN AUS DER KLEINEN REISEGRUPPE
    Unseren Zug haben wir schon verpasst.

    Er sagt es erstaunlich ruhig.

    ICH
    Das ist ja fast beneidenswert gelassen.

    MANN AUS DER KLEINEN REISEGRUPPE
    Bleibt uns ja nichts anderes übrig.

    Wir witzeln immer wieder. Nicht, weil es so lustig ist. Sondern weil es sonst vielleicht zu viel wäre.

    Seinen Witz darüber, dass bald noch jemand umkippen wird, wird er später bereuen. Das kann er in diesem Moment aber noch nicht wissen.

    An einer der unzähligen Haltestellen steigt eine FRAU MIT VENTILATOR ein. Auffälliges Make-up, Manga-Tattoos, kitschige Taschenanhänger. J-Fashion nennt man den Style, glaube ich.

    Mitten zwischen uns anderen schwitzenden Menschen holt sie plötzlich ganz cool einen batteriebetriebenen Ventilator hervor.

    Leises Surren.

    Für einen Moment wirkt sie wie eine Erscheinung.

    ICH
    Der einzige Mensch hier mit einem Plan.


    5. Der Kollaps

    Gegenüber von mir stehen ZWEI JUNGE FRAUEN.

    Wir lächeln einander immer wieder freundlich zu.

    ICH
    Werde ich merken, wenn wir am Hauptbahnhof sind? Ich kann mich mit dem Koffer kaum umdrehen, um auf den Fahrplan zu schauen.

    JUNGE FRAU 1
    Ja klar. Da steigen die meisten aus.

    Etwa dreißig Minuten später verdreht JUNGE FRAU 2 die Augen und sackt zusammen.

    Mehrere Menschen helfen sofort.

    Ich drücke den Notruf.

    ICH
    Hier ist eine junge Frau kollabiert. Wir brauchen Hilfe. Welche Zugnummer das ist, weiß ich nicht. In Wien wüsste ich so was natürlich.

    Das ist wirklich keine Übung mehr. Jetzt ist die Sauna lebensgefährlich geworden.

    Helfende Hände legen JUNGE FRAU 2 auf einen Sitz. Meine Wasserflasche wandert weiter zu ihnen. Kühlende Tücher liegen bald auf ihren Handgelenken und ihrer Stirn.

    Die Sonnenbrille von JUNGE FRAU 2 liegt auf dem Boden. Ich hebe sie auf und stecke sie heimlich in die Handtasche von JUNGE FRAU 1. Keine Ahnung, warum mir das gerade wichtig ist, aber ich mache es.

    HELFERIN
    Sie! Die Frau mit dem Ventilator! Geben Sie bitte den mal her!

    Die FRAU MIT VENTILATOR schaut überrascht. Dann reicht sie ihn sofort hinüber.

    Die ZUGFÜHRERIN betritt den Waggon. Sie sieht die Menschenmenge und spürt die Hitze.

    ZUGFÜHRERIN
    Ich habe doch an jedem Bahnhof gesagt, man soll bitte nicht mehr einsteigen!

    ICH
    Ja, schön und gut, aber können wir jetzt bitte der jungen Dame helfen?

    ZWEI MÄNNER tragen JUNGE FRAU 2 aus dem Zug.

    JEMAND AUS DEM WAGGON
    Vielleicht kann jemand eine Jacke auf den Boden legen!

    ICH RAUS AUF DEN BAHNSTEIG
    Kann bitte jemand eine Jacke auf den Boden legen?

    Am Bahnsteig tut es jemand. Weitere Menschen kümmern sich um JUNGE FRAU 2.

    JUNGE FRAU 1 steigt mit aus.

    ICH
    Wird alles gut.

    Der Zug fährt weiter.

    Wir alle hoffen, dass es gut ausgeht.


    6. S1 Richtung Flughafen

    Hamburg Hauptbahnhof. Abgesperrte Treppen und Rolltreppen. Viel Polizei.

    Deutschland spielt ja heute. Völlig vergessen.

    Ich suche eine nicht gesperrte Rolltreppe, rauche oben eine Zigarette und steige schließlich in die S1 zum Flughafen.

    Endlich sitzen und durchatmen.

    Mein gelber Koffer steht neben mir.

    Der Zug ruckt. Ich suche meine Strecke auf Google Maps.

    Plötzlich Stimmen. Ein kleiner Tumult.

    MEHRERE FAHRGÄSTE
    Der Koffer!

    Ich drehe mich um.

    Mein gelber Koffer steht nicht mehr neben mir, sondern weit weg, fast schon im nächsten Abteil. EINE HÜNDIN bringt sich gerade noch hinter Fahrrädern in Sicherheit.

    ICH
    Oh Gott, der Hund!

    Ich hole den Koffer zurück.

    Will am liebsten im Erdboden versinken.

    ICH
    Entschuldigung. Es tut mir so leid.

    Die HÜNDIN schaut mich an, immer noch im Schutz des Fahrradreifens. Niemand ist böse. Mehrere Menschen lachen. Ich lache auch, ein wenig mit Tränen.

    Ich halte den gelben Koffer fest.


    7. Noch einmal umsteigen

    Ich überhöre eine Durchsage und bemerke zu spät, dass ich zum Flughafen noch einmal umsteigen muss. Also fahre ich zwei Stationen zurück.

    Wieder ein neuer Bahnsteig. Wieder ich und mein gelber Koffer.

    ÄLTERER HERR
    Wohin geht die Reise?

    ICH
    Zurück nach Wien. Wir waren am Nordkap.

    ÄLTERER HERR
    Am Nordkap?

    Er überlegt kurz.

    ÄLTERER HERR
    Nein. Das Wetter hier ist mir schon oft genug zu schlecht.

    ICH
    Wissen Sie, ob ich jetzt so zum Flughafen komme?

    Ich erzähle knapp von Stellwerkschaden, Bus, U-Bahn und der ganzen Odyssee.

    ÄLTERER HERR
    Kaputte oder schwache Strecken. Und dann noch die Hitze.

    Er schaut auf meinen gelben Koffer.

    ÄLTERER HERR
    Dann wünsche ich Ihnen eine gute Heimreise nach Wien.

    Ich schaue ihn an und lächle müde.

    ICH
    Danke. Ich mir mittlerweile auch.

    Epilog

    Fünfeinhalb Stunden habe ich von Lübeck nach Hamburg gebraucht.

    Man sollte die Deutsche Bahn (und fairerweise auch die Hamburger Hochbahn usw.) nicht unterschätzen: Sie schaffte es tatsächlich, den abenteuerlichsten Teil einer zwölftägigen Nordkap-Reise mit über 7.000 Kilometern und einigen unangenehmen Zwischenfällen auf die letzten 65 Kilometer zu verlegen.

    Fast pünktlich bin ich schließlich in Wien angekommen.

    Müde, aber glücklich, es geschafft zu haben.

  • Glibber-Ballett

    Glibber-Ballett

    Bei Schwimmen mit Tieren hatte ich bisher immer an Delfine gedacht. Dann traf ich im Meer auf eine ganze Armee von Quallen: elegant, gläsern, leise. Aber auch: glibbrig, eklig, wie lebendige Gelatineklumpen. Und ich lernte eine Lektion darüber, wie Abstoßendes gleichzeitig auch anziehend sein kann.

    Mit sandigen Füßen gehe ich die Steinstufen hinunter zum Meer. Der Strand ist klein, aber fein. Das Wasser vor mir ist technisch gesehen nur ein Flussarm. Aber mit Salzwasser – und für mich ist es in diesem Moment eben das Meer, das mir zur Verfügung steht. Ein glitzerndes, kühles Blau, dass endlos zu sein scheint und mich zum Abkühlen einlädt. Badetuch ablegen, Luft holen, reinspringen.

    Lautlose Parade

    Schon beim Eintauchen sehe ich sie: erst einzeln, dann in Gruppen, schließlich wie eine lautlose Parade. Die Quallen wirken wie gläserne Glocken oder elegante Tänzerinnen. Wie die Queens der Meere, die sie sind. Aber sie fühlen sich auch an, als hätte das Wasser Arme bekommen. Drei Züge, und die erste streift mein Schienbein; vier, fünf, sechs – die nächste. Plötzlich mittendrin. Beim Schwimmen mit Tieren hatte ich immer an Delfine gedacht, schmunzle ich.

    Jede Berührung ein kurzes Zucken, ein knapper Schrei, dann lautes Lachen. Schwimmen im Glibber-Ballett. Es ist, als glitte ich durch einen Pool mit nassen Luftballons. Als läge ich in einer Wanne, randvoll mit Gelatineklumpen.

    Perspektivenwechsel

    An der Treppe bleibt eine Frau stehen. Ihre Miene sagt alles. Ich nicke verständnisvoll und schwimme weiter. Nicht giftig, rede ich mir gut zu. Von der großen Blauen halte ich mich aber fern – ihre Blumenkohl-artige Krone ist beeindruckend, ihr Gift vielleicht weniger.

    Ich gehe in dieser Stunde noch zweimal ins Wasser. Nicht, um mir etwas zu beweisen, sondern weil das Meer an diesem ungewöhnlich warmen Spätsommertag einfach zu verlockend wirkt. Ausblenden? Ignorieren? Nein igitt, geht nicht. Nebenbei frage ich mich, wie ich mich wohl für die Quallen anfühlen mag. Meine Bewegungen sind vorsichtig, aber sicher nicht vorsichtig genug. Wie eine ständig aufschwingende Türe, die ihnen bei jedem Zug mit Karacho gegen dieKöpfe haut.

    Unerwartet, eklig, seltsam schön

    Etwas vom unfreiwilligen Schwimmen mit den Quallen bleibt: Berührungen, die zuerst schrecken, dann staunen lassen. Unerwartet, eklig, aber auch seltsam schön. Abstoßend und anziehend zugleich. Einer dieser kleinen Momente im Leben, die einzigartig sind – und sich deshalb einprägen.

  • Der Möwenmann

    Der Möwenmann

    Eine kleine Geschichte darüber, was bleibt, wenn der Lärm der Welt einmal kurz nachlässt.

    Der Urlaub war lange geplant – und ehrlich gesagt: überfällig. Wochenlang hatte sich das Leben angefühlt wie zu viel Bildschirm, zu viele Nachrichten, zu wenig Schlaf. Wir wollten raus – aus der Stadt, aus dem Lärm, aus dem Stress. Nur Meer, Wind und nichts müssen.

    Zwei Wochen an der Nordsee klangen nach Rettung. Das kleine, frühere Fischerdorf nahe Den Haag hatte meine Mama schon vor Jahren entdeckt – fast verschlafen, aber direkt am Meer gelegen, mit langem Sandstrand und guter Öffi-Anbindung. Es war perfekt, um endlich durchzuatmen. Doch schon bei der Ankunft war klar: So ruhig würde es nicht werden.

    Unter Agenten

    Überall Polizei, Absperrungen, Militärfahrzeuge. Hubschrauber über den Dünen, schwarze Limousinen in den engen Straßen. Männer mit schwarzen Anzügen, Krawatten, Sonnenbrillen und Knöpfen im Ohr – als wären sie direkt aus einem Agentenfilm gestolpert. Nur dass der Film echt war. Und wir mittendrin.

    Wir wussten seit Wochen vom NATO-Gipfel. Aber wir hatten vor einem Jahr gebucht – und dachten, dreißig Kilometer Entfernung würden reichen. Falsch gedacht.

    Schon beim Einfahren in die Ortschaft fielen mir die vielen US-Flaggen auf. Vor allem das Luxus-Hotel im Ort war damit geradezu gepflastert. Normalerweise trennen ein traurig-grauer Betonparkplatz und ein Riesenrad die schicke Anlage von unserem schon sichtlich in die Jahre gekommenen Hotel. Dass sogar die Gondeln des Riesenrads abgebaut worden waren, verhieß nichts Gutes. Es war, als hätte jemand dem Ort zwar nicht den Charme, aber den Stecker gezogen.

    Um die absurde Szenerie zu vollenden, hatte jemand „F… Trump“ in den Sand geschrieben. Keine zweihundert Meter weiter wärmte sich eine Robbe in der Sonne.

    Unser kleiner Balkon bot einen wunderbaren Blick aufs Meer – und auf die Sicherheitskräfte, die sich mittags besonders gerne am Fischstand trafen. Um die absurde Szenerie zu vollenden, hatte jemand in riesigen Lettern „F… Trump“ in den Sand geschrieben. Keine zweihundert Meter weiter wärmte sich eine einsame Robbe in der Sonne.

    Tagelang Ausnahmezustand. Straßensperren, Funkgeräte und Agenten – manche von ihnen fast schon komisch schlecht getarnt zwischen Badegästen. Sogar der Strandabschnitt vor dem Hotel blieb gesperrt. Kein Durchkommen. Selbst das Meer schien manchmal den Atem anzuhalten – nur um nachts mit ganzer Kraft die Wellen gegen die Gitterzäune zu schleudern.

    Am Strand

    Ende der Woche wurde es endlich stiller. Schon als die ersten Gitterzäune verschwanden, drängten wir zwischen den verbliebenen Absperrungen hindurch, als wollten wir uns die Freiheit zurückholen. Es war stürmisch, kühl – und befreiend.

    Mit am Rucksack baumelnden Sandalen und der Kamera in der Hand spazierten wir endlich entspannt das Wasser entlang. Ein paar hundert Meter weiter wurde der Strand leerer, der Lärm leiser. Nur Wind, Wellen, Möwen – und dieser salzige Geruch, der den Kopf freimacht.

    Ich atmete tief ein. Es war dieser Moment, in dem man spürt, dass die Gedanken wieder Platz haben.

    Zuerst sah ich nur die Möwen. Ich beugte mich hinunter, machte ein paar Aufnahmen – und bemerkte im Augenwinkel einen Mann, der darauf achtete, die Vögel nicht zu vertreiben. Es schien fast, als sorge er dafür, dass die Möwen vor meiner Kamera posieren.

    Der Mann wirkte sportlich, mittleren Alters – und er ging barfuß wie wir. Mit seinen kurzen Hosen, dem dunkelroten Pullover und den schon leicht angegrauten, vom salzigen Nordseewind zerzausten Locken fügte er sich perfekt in die niederländische Strandlandschaft ein. Sonne, Salzwasser – und wohl auch das Leben – hatten Spuren in seinem Gesicht hinterlassen. Er lächelte freundlich, fast verträumt. Die Earbuds in seinen Ohren wirkten wie ein Bruch – oder hörte er gar keine Musik, sondern nur den Gesang von Wellen, Wind und Möwen?

    Verwundert sahen wir ihm nach. Die Möwen folgten ihm. Nicht aufgeregt, nicht laut – einfach in seinem Rhythmus. Als gehörten sie zu ihm. Ich grinste. Es wirkte, als hätte jemand einen geheimen Pakt mit der Natur geschlossen.

    Im Gespräch

    Von diesem Abend an sahen wir ihn fast täglich. Manchmal schon aus der Ferne, manchmal ganz nah. Einmal blieb er vor den Dünen stehen, sah zu den Möwen und hob kurz die Hand – wie ein stilles „Bis morgen“. Und die Möwen verstanden.

    Er erzählte das, als wäre es die normalste Sache der Welt. 

    Ein anderes Mal sprach meine Mutter ihn an. Ich stand daneben und sah ihn lachen – dieses warme, offene Lachen, das nichts will. Nur da sein. Natürlich stellte ich die eine Frage. Er sagte, dass er schon immer gern am Strand spazieren geht. Eines Tages hätten zwei Möwen bei seinem Haus genistet – und irgendwann seien sie einfach mitgekommen. Dann kamen immer mehr dazu. Er erzählte das, als wäre es die normalste Sache der Welt. Wir scherzten ein wenig, ich zeigte ihm ein paar meiner Fotos. Ihm gefiel eines, auf dem die tief stehende Sonne fast das Meer glühen ließ – und schon winkten wir einander wieder zum Abschied. Er ging mit seinen Möwen der untergehenden Sonne entgegen und wir mit unseren Kameras.

    Manchmal denke ich, irgendwo in einem Paralleluniversum schreibt ein Mann, der jeden Abend mit Möwen kilometerweit den Strand entlanggeht, in seinem Blog über zwei Frauen, die jeden Abend denselben Sonnenuntergang fotografieren. Unrealistisch. Aber nicht unmöglich. ;-)

    Der Nachklang

    Danach sahen wir den Möwenmann nicht mehr. Wäre ich ihm allein begegnet, ich hätte fast gezweifelt, ob er echt war. Originale gibt es ja erstaunlich viele – aber nur wenige leben das Ungewöhnliche so leise wie er, denke ich.

    Ich denke noch oft an den Möwenmann. An das Bild von ihm, das ich mit nach Hause nehmen durfte. Es gibt Menschen, die uns nichts erklären – und trotzdem etwas zeigen, das bleibt.

    Freiheit nicht immer etwas Großes oder Lautes. Manchmal ist sie einfach ein Mann, der barfuß mit Möwen spazieren geht – und weiß, dass sie einander morgen wiedersehen werden.

    Was bleibt, ist seine Ruhe. Dieses stille Einverständnis mit der Welt, die genau an diesem Ort, seinem Heimatort, eben noch für den kompletten Ausnahmezustand gesorgt hatte. Und die Erkenntnis, dass Freiheit nicht immer etwas Großes oder Lautes ist. Manchmal ist sie einfach ein Mann, der barfuß mit Möwen spazieren geht – und weiß, dass sie einander morgen wiedersehen werden.

  • Hubert

    Für mich ist Sterben eine Verschwendung. Ein ganzes Leben lang, so lange es eben dauert, lernt man ständig dazu. Man kämpft, fällt hin, steht auf, fällt wieder, kämpft weiter. Und noch bevor der Zustand der ultimativen Lebensweisheit erreicht ist, ist man tot. Dann müssen andere Menschen mit Verlust, Trauer und Schmerz umgehen. Kämpfen, fallen, aufstehen, weiterkämpfen.

    Hubert zum Beispiel war noch lange nicht fertig. Weder mit seinen Herzensthemen Parteienfinanzierung, Transparenz und Demokratie, noch mit dem Leben an sich. Niemand kann so intensiv leben, dass er mit 60 Jahren fertig wäre. (Ich bin ziemlich sicher, dass sich die wenigsten Menschen auch mit 100 Jahren jemals fertig fühlen würden, aber ihr wisst, was ich meine.)

    Ich maße mir nicht einmal ansatzweise an, einen Nachruf auf Hubert zu schreiben. Dafür kannte ich ihn viel zu wenig. Für mich war er lange ein Teil von Austrotwitter. Das war dieser eine Ort im World Wide Web, an dem sich ganz normalen Menschen wie ich hin und wieder sogar mit sehr klugen oder sehr wichtigen oder sehr klugen und wichtigen Menschen, wie Hubert einer war, austauschen konnten. Kann man heute fast gar nicht mehr glauben. Damals, als Twitter noch gut war und nicht als Musks X quasi zum Vorhof der Hölle geworden ist. Als ich um 2011 herum neu auf Twitter war, ist Hubert mir relativ bald aufgefallen. Seine fachliche Expertise war ohnehin unbestritten, aber vielmehr waren es sein Witz, sein Charme und sein Umgang mit Worten, mit denen er einem immer wieder verlässlich in die Tweets gegrätscht ist. Außerdem – und das hat Austrotwitter damals ausgemacht – war er einer von denen, die wichtig und klug waren und sich trotzdem ganz normal mit normalen Menschen wie mir unterhalten haben. Hatte jemand eine Frage, hat Hubert sie unendlich geduldig beantwortet. In Diskussionen war er immer respektvoll. Ihm ging es offenkundig nicht darum, Recht zu behalten, sondern um die inhaltliche Auseinandersetzung. Das haben nach seinem Tod viele geschrieben, unter anderem im Standard-Forum. Wegbegleiter:innen, Studierende, wichtige und kluge Menschen. All das hat ihn ausgezeichnet.

    Und so konnte man mit Hubert auch ausgezeichnet scherzen. Seine Zeilen haben zum Schmunzeln, zum Nachdenken oder zu beidem gleichzeitig gebracht. Oft spätabends. Da war es dann auch Hubert, der den Hashtag #Nachteulen für uns erfunden hat. Wenn ich jetzt unsere alten Unterhaltungen nachlese, ist mir nicht zum Lachen. Aber vieles bringt mich unweigerlich dazu.

    Wenn jemand stirbt, sagt man, gehen wir oft immer wieder an Orte zurück, an denen wir diesem Menschen zuletzt begegnet sind.

    Wenn jemand stirbt, sagt man, gehen wir oft immer wieder an Orte zurück, an denen wir diesem Menschen zuletzt begegnet sind. So bin ich dieser Tage auch in die Direktnachrichten-Inbox zurückgegangen. An diesem heute eher unwirtlichen Ort, den sie X nennen. Die meisten Nachrichten waren bzw. sind noch da. Eine berufliche Anfrage hier, ein Schmäh da, dazwischen sogar ein kleiner Disput, den niemand gewonnen hat und auch niemand gewinnen wollte, denn darum ging es uns beiden nicht. Schon gar nicht Hubert. Alle heiligen Zeiten und sicherlich viel zu selten mal eine Verabredung. Zum Plaudern im Tachles oder zum Vietnamesen auf eine gemeinsame Portion Sommerrollen und irgendeine Hauptspeise nach seiner Empfehlung.

    Hubert war auch ein wichtiger Teil von Austrotwitter. Dann begann der #eXit…

    Vieles verschwimmt mit der Zeit. So auch unsere letzte Begegnung, die ich falsch in Erinnerung hatte. Die gab es zwar, aber es war nicht die letzte. Rekonstruktion einer argen Zeit. Es war 2021, es war Pandemie und es ging mir nicht gut. Das hatte ich in einem spätabendlichen, sicher sehr grantigen und frustrierten Tweet zum Ausdruck gebracht. Dann kam eine Nachricht von Hubert. Er mache sich Sorgen um mich, wolle keinesfalls übertreiben und mir etwas unterstellen, aber er wolle mich bitte wissen lassen, dass ich vielen Menschen sehr, sehr wichtig sei. Respektvoll und liebevoll. Wieder haben wir Nachrichten ausgetauscht. Heute ist mir bewusst, dass ich damals in eine Depression gerutscht war. Am Ende hatte die auch ein Wiedersehen verhindert. Da lag der Ball bei mir. Zu viel Arbeit, zu viel Negativität, zu viel und zu wenig Leben gleichzeitig. Als ich ab 2023 wieder angefangen habe zu leben, waren wir schon mittendrin im allgemeinen #eXit. Austrotwitter war vorbei, drüben auf BlueSky mussten wir alle uns das neue zweite Wohnzimmer erst einrichten. Hätte ich noch einmal in meine Nachrichten geschaut. Gefragt, wie es ihm geht. Angerufen. Irgendwas. Wir hatten uns in den letzten Jahren aus den Augen verloren und es gab nicht den geringsten Anlass dafür.

    Während das Leben weiterläuft, denken wir kaum an das Sterben. Es ist einfach keine Option, dass Menschen, die so selbstverständlich da sind, plötzlich gehen (müssen). Und doch passiert es ständig. Jetzt erinnere ich mich gerne an die immer noch viel zu wenigen Gespräche mit Hubert und bereue, dass wir nicht mehr davon hatten. Aber es war ja noch Zeit. Was sind im Endeffekt schon ein paar Jahre. Die Wahrheit ist: Wir alle haben nur das eine Leben und das endet verlässlich ohne feste Deadline. Oft zu früh. Für Hubert auf jeden Fall viel zu früh. Und für uns alle, die wir ihn sehr mochten, und noch mehr für die, die ihn geliebt haben, viel zu plötzlich.

    Man glaubt wirklich immer, die Menschen, die man lange nicht mehr gesehen haben, warten dort auf einen, wo man sich zum letzten Mal gesehen hat. Aber das tun sie nicht.

    Barbara Kaufmann (@barbarakaufmann.bsky.social) 2025-05-12T11:25:58.693Z

    Es ist, wie Barbara schreibt: Eigentlich sollte Hubert jetzt in einem schönen Schanigarten sitzen und warten, dass wir alle vorbeikommen. Aber ja, das tut er nicht. Er ist nicht mehr da und mit dem Schmerz müssen vor allem seine Liebsten umgehen. Wenn jemand noch so viel Leben vor sich hatte, der Welt, den Menschen um ihn noch so viel zu geben hatte, sollte er nicht einfach weg sein.

    Was neben vielen klugen Gedanken, Büchern, Texten, Projekten bleibt, sind Erinnerungen an einen empathischen, hilfsbereiten und feinsinnigen Menschen. Und an einen liebevollen – das Wort kommt mir alleine wegen unserer letzten Unterhaltung in den Sinn. Und das bleibt. Begegnen wir einander doch öfter liebevoll. Sollen die, die ohnehin nichts Gescheites zu sagen haben, weiter herumpoltern. Wirklich gerne erinnern wird man sich am Ende der Zeit viel eher an die, die leisere Töne anschlagen, aber deren Aussagen dafür immer Substanz haben. Auch, wenn es dann zu spät ist und der Platz im Schanigarten leer bleibt.

  • Presseförderung neu: g’scheit oder gar nicht

    Normalerweise brauche ich in der Früh eine Weile, bis ich einigermaßen munter bin. Am vergangenen Samstag ist das ungewöhnlich schnell passiert. Wer den Grund dafür wissen möchte, lese bitte die OTS-Aussendung des Magazins Profil mit Details zur Presseförderung neu. Darüber kann ich mich sogar noch Tage später aufregen. Vor allem darüber, dass jetzt sogar die beiden großen Gratiszeitungen etwas aus dem Geldtopf bekommen sollen. Dass Minister Drozda meint, für jedes Medium würden gute Leute arbeiten. Nun, bestimmt, aber die Presseförderung fördert ja, wie schon der Name verrät, nicht gute Journalisten an sich, sondern jene Medien, für die sie arbeiten. Und was nützt es, wenn Kollegen gute Artikel schreiben, die dann zwischen „Komet xy wird in Kürze die Erde zerstören“, „U-Bahn-Bomber! Panik, Panik!“, usw. erscheinen.

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  • Ein paar Gedanken zur „Causa Böhmermann“

    Leute, ehrlich, ihr habt sie nicht alle.

    Seit über einer Woche habt ihr nichts Besseres zu tun, als euch über Jan Böhmermann zu mokieren. Einen deutschen Satiriker, dessen Sendung „Neo Magazin Royale“ die meisten von euch wahrscheinlich noch nie gesehen haben. Einen meiner Meinung nach übrigens genialen Satiriker, von denen es dringend mehr bräuchte. Nämlich einen mit Hirn, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt und der provoziert.

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  • Wenn wir Gutmenschen sind, was seid dann ihr?

    Es passiert jedes Mal, sobald irgendwelche Terroristen-Arschlöcher Menschen (in Europa, denn außerhalb Europas schockiert es uns meistens doch nicht so sehr, ist ja weit weg – nein, das ist kein Vorwurf, es ist nachvollziehbar, wenn auch sicher nicht richtig) ermorden: Anfangs sind wir alle fassungslos, dann unterhalten wir uns über das, was passiert ist. Aber … kabumm … es dauert nie besonders lange, gefühlt werden die Abstände sogar immer kürzer, da kommen die ersten gehässigen Kommentare gegen sogenannte „Gutmenschen“. Also gegen Leute wie mich und meine Freunde, die (in meinem Fall eh noch viel zu wenig) anpacken anstatt gegen Geflüchtete zu schimpfen/hetzen. Die Sätze sagen wie: „Ich hab doch nichts dazu beigetragen, dass ich hier geboren wurde, wo ich in Frieden leben darf. Haben das Recht nicht auch andere, die einfach nur scheiß Pech mit ihren Heimatländern hatten?“

    Man darf sich übrigens die Frage stellen, was Arschloch-Terroristen mit Menschen, die eben genau vor diesem Krieg/Terror in ihren Heimatländern flüchten, gemein haben. Das nur am Rande.

    Und wenn wir über Radikalisierung sprechen. Ich vermische das ungern, aber wenn wir schon dabei sind… In welcher Gesellschaft würdet ihr euch eher radikalisieren? In einer, die euch mit offenen Armen empfängt und euch die Chance auf ein Leben in Sicherheit gibt? Oder in einer, die euch mit Ablehnung und Hass begegnet? (Einschub Ende)

    Das, was ihr als „Gutmenschentum“ bezeichnet, hat nichts mit Naivität zu tun. Sondern einfach nur mit der Tatsache, dass verdammt nochmal jeder das Recht auf ein menschenwürdiges Leben hat. Und da spaltet sich die Gesellschaft (inzwischen immer noch stärker, denke ich) in zwei Lager: Die, die helfen („Gutmenschen“, „Willkommensklatscher“), und die, die gemütlich auf ihren Hinterteilen sitzen, im Warmen, im Trockenen, mit allen Privilegien, die wir im schönen Österreich haben (ja was seid ihr dann eigentlich, was ist das Gegenteil von einem guten Menschen?). Wir alle genießen Privilegien, die diese Menschen auch hatten beziehungsweise noch hätten, wären sie nicht blöderweise in Ländern geboren, in denen wahllos Menschen abgeschlachtet werden.

    Tut doch auch irgendwas, nach euren Möglichkeiten, irgendwas. Aber jammert und hasst nicht. Wir lassen die Leute nicht verrecken und wir „Gutmenschen“ tun nichts anderes als das, was wir uns in dieser Situation selbst wünschen würden: Dass man uns nicht verrecken lässt und uns eine Chance gibt.

    Wie auch immer. Am Ende des Tages müssen wir uns alle in den Spiegel schauen. Die Frage ist: Könnt ihr das auch?

  • Die Leiden der freien Journalisten

    Meine Kollegin Alexia Weiss hat im Gewerkschaftsmagazin „Kompetenz“ einen Artikel über die Arbeitsbedingungen von freien Journalisten (Seite 14 und 15) veröffentlicht. Dass ich gerade vor meinem Rechner sitze und nach Luft ringe, hat nichts mit ihr zu tun. Der Artikel ist gut.

    Die Spucke bleibt mir einmal mehr weg, weil in dem Text unter anderem Franz C. Bauer, seines Zeichens oberster Journalistengewerkschafter, zitiert wird. Ich schätze Bauer als Journalisten sehr und ohne Zweifel hat die Gewerkschaft in der Vergangenheit viel für unseren Berufsstand getan, aber wenn es um freie Journalisten geht, orte ich eine absolut antiquierte Einstellung. „Die Tätigkeit des/der Journalisten/-in ist einfach kein Gewerbe“, sagt Bauer zum Beispiel. Und: „Das ist nichts, was man selbstständig machen kann. Man ist an die Infrastruktur des Verlags gebunden, hat Termine ein- und sich an vorgegebene Längen zu halten. Gestaltungsfreiheit gibt es nur in beschränktem Ausmaß. Und ob ich in der Redaktion oder von zu Hause aus arbeite, ist heute kein Kriterium mehr dafür, ob man angestellt wird oder nicht.“

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  • Doskozil, seine Abschiebe-Hercules und enttäuschte Erwartungen

    Herr Doskozil, ich bin enttäuscht von Ihnen. Vor dem Sommer wusste ich nicht einmal, wer Sie sind. Dann kam die sogenannte „Flüchtlingskrise“ (fälschlicherweise impliziert dieser Begriff immer, dass Geflüchtete – schutzbedürftige Menschen – die Krise darstellen, in Wirklichkeit sind es wir, die mindestens eine Mitschuld an den Krisen/Kriege in ihren Heimatländern tragen und damit an den Fluchtursachen). Sie hatten ein paar gute Momente. Sie schienen überaus menschlich zu agieren (nachzulesen zum Beispiel in diesem Kurier-Interview), vermutlich haben Sie das auch.

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  • Vorauseilender Gehorsam wirft uns zurück – Kommentar zu Hassan Rohani und den verhüllten Statuen in Rom

    So so, Rom hat also einige nackte Statuen auf dem Kapitol verhüllt. Aus Respekt vor der Kultur und dem Glauben des iranischen Präsidenten Hassan Rohani, der sich zum Besuch in Italiens Hauptstadt angekündigt hatte. Natürlich darf man sich darüber lustig machen, man darf sich auch darüber auslassen. Nur richten sich Witzchen und Häme wohl gegen den Falschen. „Geh bitte, lasst’s doch den Hassan ‪#Rouhani in Ruhe“, twitterte Kollege Erich Kocina (Die Presse). „Die Italiener waren in dem Fall die Deppen, also wenn, dann schimpft’s über die.“ Besser könnte ich es nicht ausdrücken.

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