(Gold-)Häschen in der Grube

Sollte mein Osterhase dieses Jahr mit Lindt-Schokolade vor meine Tür hoppeln, ziehe ich ihm die Löffel lang. Das gilt natürlich nicht nur für den wohlgeformten Goldhasen des Schweizer Süßwarenherstellers, sondern zu meinem Leidwesen auch für Produkte wie Schokoschirmchen, Lindorkugeln usw. Aber ich scheine nicht die einzige zu sein, die Lindt & Sprüngli nach ihrer Vernichtung des Hauswirth-Hasens bestreikt – oder hatte es Lindt in früheren Jahren auch notwendig, seine Schokolade ein paar Tage vor Ostern zu Dumpingpreisen unter uns Österreicher zu bringen? (Ich weiß es wirklich nicht, daher ehrlich gemeinte Frage.)

Man könnte glatt meinen, der Hasenkrieg hätte tatsächlich Spuren bei den Konsumenten hinterlassen. Und wisst ihr was: Ich hoffe es sehr! Zwar bin ich nicht gerade als glühende Patriotin bekannt, aber im Kampf David gegen Goliath habe ich noch immer im „Team David“ Platz genommen und leidenschaftlich angefeuert.

Hat Lindt das notwendig?

Seit 2004 dauerte der Streit zwischen dem Schweizer Konzern Lindt & Sprüngli und dem österreichischen Produzenten Hauswirth bereits an. Um rechtzeitig vor dem Osterfest 2012 durch den Obersten Gerichtshof (OGH) mit einem endgültigen Verbot des Hauswirth-Häschens beendet zu werden. Bereits im Dezember 2011 hatte das Wiener Oberlandesgericht (OLG) entschieden, dass das österreichische Unternehmen seine Produktion einzustellen habe. Die ganze juristische Geschichte ist übrigens hier nachzulesen, Hauswirth hat auf seiner Website folgendermaßen auf das Urteil in letzter Instanz reagiert:

Fakt ist: Den Hauswirth-Hasen gab es seit 1962 auf dem österreichischen Markt. Der von Lindt & Sprüngli dagegen wird hierzulande erst seit 1994 vertrieben (in Deutschland und der Schweiz seit 1952). Im Jahr 2000 ließen die Schweizer ihren Goldhasen als EU-weit gültige Gemeinschaftsmarke eintragen. Während andere Mitbewerber ihre Formen daraufhin änderten, blieb Hauswirth dabei und kämpfte um den Erhalt seines Produkts.

Hat die „Schweizer Maître Chocolatier“ es tatsächlich notwendig, ihre Konkurrenz auf diese Weise zu bekriegen? Was bedeutet das für das Image von Lindt? Und warum macht man es damit kritischen Konsumenten wie wir so verdammt schwer, jemals wieder den Geschmack von Schokoschirmchen auf der Zunge zu verspüren?

Fair schmeckt mir besser

Mich hat Lindt als Kundin verloren. Sie werden damit leben können, so lange ich zu den wenigen zähle, für die deren Verhalten ernsthafte Konsequenzen hat. Nicht so leicht werden sie damit leben können, wenn wir Konsumenten uns endlich unserer Macht bewusst werden. Noch sind die Schweizer Goliath. Und ich bin ein David von vielen. Gemeinsam könnten wir Goliath allerdings schlagen.

Und damit leben können wir obendrein: Immerhin gibt es auch noch Hauswirth, Manner, Milka, Heindl, Ritter Sport, Alnatura,… und vor allem die leckeren und fair gehandelten Produkte von Zotter und EZA. Mit gutem Gewissen genossen, schmeckt mir Schokolade übrigens ohnehin am besten!

.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.