Wir sehen einander bei Facebook. Und (dann) auf einen Kaffee.

Wir leben in einer Parallelwelt. Das ist schlecht. Aber auch gut. „Wie antidigital ist die digitale Zukunft?“ haben Bernhard Heinzelmaier und Philipp Ikrath von der Trendagentur tfactory sowie Beate Grosegger vom Institut für Jugendkulturforschung kürzlich im Rahmen einer gemeinsamen Präsentation gefragt. Wie erleben junge Menschen digitale Medien und wie gehen sie damit um? Ist der „Aussteiger“ von heute der Freak von gestern? Und wird es tatsächlich so sein, dass das Kind oder der junge Erwachsene mit ADHS künftig als „normal“ gelten wird, während jene, die Bücher lesen, sich in Ruhe mit sich selbst beschäftigen, als seltsam wahrgenommen werden, wie Heinzelmaier mutmaßt?

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U2s Bloody Monday in Wien

Kaum war das U2-Konzert vorbei, musste man sich zwangsläufig wieder einmal fragen, warum Wiener keine g’scheiten Events veranstalten können… Dabei rede ich noch gar nicht von der schlechten Tonqualität im Praterstadion, sondern vielmehr von der Tatsache, nach maximal 15 Minuten aus dem Stadion vertrieben zu werden, obwohl die Gastronomen noch brav ihr Bier ausgeschenkt haben (war ihnen wohl auch nicht Recht, das Ganze). Aja und sogar vom Klo hätten sie uns gezerrt, wenn wir uns nicht gewehrt hätten!

Am besten war überhaupt der Ton dieser Pseudo-Securities, denn der macht schließlich die Musik. Und die haben an dem Abend tatsächlich und wirklich NUR U2 gemacht. Und sogar ein bisschen OneRepublic, über die ich vorher so viel geschimpft hatte. Waren aber gar nicht mal so übel. 😉 Uuuuuuund… wie schon erwähnt U2!!!!! War vielleicht nicht ihr bestes Konzert, nicht ihre beste Show, okay fürs Wetter konnten sie nichts… Aber ich bin froh, dabei gewesen zu sein! (und durchgesetzt zu haben, dass ich für 70 Euro auch NACH dem Konzert aufs Klo gehen durfte ;))) Die Heimfahrt mit der U2, die war allerdings… lange, schwierig und fast unmöglich… Wien kanns halt nicht, zumindest in der Größenordnung, tut mir echt leid… Oder um aus den Fernsehnachrichten zu zitieren: „U2 waren wohl schneller wieder in ihrem Flugzeug als die Konzertbesucher zuhause.“

Ein paar Impressionen vom U2-Konzert in Wien:

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Doppelte U2-Nachwehen

Morgen werde ich an dieser Stelle berichten, wie das „U2“-Konzert war. Versprochen. Heute muss ich nur mal meinen Frust über die miese Organisation loswerden. Die bestand nämlich offenbar darin, nichts zu tun. Bzw. am Veranstaltungsort, dem Praterstadion, die Besucher möglichst schnell loszuwerden, und am anderen, der U2-Station „Stadion“ die Menschen möglichst lange wie Vieh zusammenzuhalten und bloß nichts zu unternehmen, um die Leute auf kürzestem Weg nachhause zu schicken.

Kein Bier, kein Klo, keine U-Bahn

Dabei hatten wir uns noch für ach so schlau gehalten, uns nach dem Konzert gemütlich ein letztes Bier zu genehmigen und erst mal die Massen ziehen zu lassen. Um dann erst beinahe samt Bier und dazugehörigem Pfandbecher aus dem Stadion geworfen zu werden (Security: „Ihr müsst da jetzt weg.“ Wir: „Wenn ihr uns sagt, wohin.“ S: „Am besten ganz raus. Harrharr.“, danach aus der Warteschlange am Klo fast entfernt zu werden (Security: „Raus mit euch, wir machen jetzt zu.“ An dieser Stelle erwähne ich der Vollständigkeit halber, dass das Konzert zu diesem Zeitpunkt maximal 15 Minuten vorbei war. Wir: „Sorry, aber wir warten da jetzt schon ewig, könnt ihr bitte noch so kurz warten?“ S: „Sag mal, ich glaub ihr hört schlecht. Geht jetzt. Sofort!“ Aber wir haben uns durchgesetzt, weil wir einfach nicht weggangen sind. Um ehrlich zu sein hätte es mich gar nicht gewundert, wenn diese blöden so genannten „Sicherheitsleute“ uns mit Gewalt entfernt hätten… Weil wir aufs Klo mussten. Nach einem Konzert, für das die 70 Euro für meine Karte noch wenig war, von dem, was wir im Laufe des Abends an Geld dortgelassen hatten, rede ich gar nicht…). Positiv wäre allerdings anzumerken, dass wir zwar wie Vieh im Klo-Vorraum gedrängt waren, aber lustig hatten wir es, nachdem der erste Ärger verflogen war. Ähm, Bono wird einen Song für uns armen, von bösen Securities unterdrückten Frauen schreiben, er weiß es nur noch nicht. 😉

Und ganz am Schluss sind wir erst gar nicht in die blöde U2 reingekommen. Ich muss sicher nicht extra betonen, dass dort kein freundliches Wiener Linien-Personal stand, das uns sagen konnte, wie, was, wo, wann. U-Bahn-Garnituren sind ja auch massenweise unterwegs gewesen. Scherzerl. Manche haben wahrscheinlich eine Stunde oder noch länger gewartet, um endlich in die Station zu kommen. Hey echt, als hätten „U2“ heute völlig überraschend vor über 70.000 Menschen im Stadion gespielt!! Frag mich echt, wer den Schmarr’n genauso genehmigt hat, ohne entsprechende Maßnahmen für Sicherheit, Abtransport etc. zu setzen. Hauptsache irgendwer verdient dran. So scheint es leider. Bloß nicht das bisschen Hausverstand aktivieren, um die Konzertbesucher gut, rasch und sicher nachhause zu bringen. Und bitte schon gar nicht vielleicht zusätzliche Busse einzusetzen oder wenigstens den 84B durchfahren lassen. Umleiten? Gibt’s nicht, sollen die blöden Leute doch sehen, wer sie heimbringt…

U2 wieder, aber bei Gastgebern, die es können

Übrigens könnte das Ganze im Nachhinein auch ein Experiment gewesen sein. Eine Schulfreundin, die ich zufällig nach dem Konzert getroffen habe, hat wohl beobachtet, dass jemand die eingepferchten Menschen vor der Station „Stadion“ gefilmt hat. Vielleicht ein Lehrvideo der Wiener Linien? Mit dem Arbeitstitel „So nicht“??

Vielleicht doch noch kurz etwas zu „U2“: Es war gut, aber nicht grandios (um eine liebe Freundin zu zitieren). Ich muss mal drüber schlafen. Trotzdem: Ein „U2“-Konzert gerne jederzeit wieder – allerdings dann sicher nicht in Wien!! 🙁

Bandtipp: Eternal Tango

Zur Abwechslung empfehle ich an dieser Stelle einmal eine Band: Eternal Tango aus Luxemburg. Bisher zweimal live gesehen, das neue Album ständig im CD-Player und die Playlist läuft am MP3-Player auf und ab. Die erste Dosis „Eternal Tango“ hat es für mich in der Arena Wien gegeben, als Warm-Upper für „The Casting Out“. „Eternal wer??“ hab ich da noch gefragt, war begeistert angesichts des Auftritts (fast noch ein Stück mehr als von dem des Hauptacts, wobei ich die auch extrem genial finde) und bin dann doch ohne CD nachhause gegangen. Endgültig überzeugt haben mich die Burschen am Donauinselfest 2010,wo sie die FM4-Bühne gerockt haben. Da hatten sie mich wirklich! Die Fünf sind nämlich nicht nur aus der Dose super, ihre Live-Auftritte sind einfach genial – und humorvoll.

Auch als Nicht-Musik-Kritikerin ist es für mich absolut keine Überraschung, dass „Eternal Tango“ kürzlich sogar als Vorband von „Bad Religion“ während ihrer Deutschlandtour unterwegs waren. Und man erlaube mir eine kleine persönliche Bemerkung: Als Vorgruppe von U2 am Montag im Praterstadion würden „Eternal Tango“ Wien höchstwahrscheinlich um einiges mehr rocken als … Nein, nicht U2!!! Das nicht!! 😉 … Als diese faden „One Republic“ meine ich natürlich. Bono, mach was!!

Meine Favoriten auf dem aktuellen Album: „Da/Da“ und natürlich „The Golden City“. Aber hört selbst rein!

Und hier noch das offizielle Video zu „The Golden City“:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=y7BQyzJrB3o]

Mehr: www.eternaltango.net

Die letzte Pop-Messe

Wenn ein König stirbt, wird in der Regel Staatstrauer ausgerufen. Im Fall von Michael Jackson, dem selbsternannten King of Pop, tat das niemand. Und doch schien es als würde die ganze Welt Trauer tragen, als er am 25. Juni starb.

So menschlich war die Kunstfigur Michael Jackson seit Jahrzehnten nicht aufgefallen. Es war sein letzter großer Auftritt im Rampenlicht: Am 7. Juli trauerten tausende Fans, Familie und Freunde im Los Angeles Staples Center um ihr Idol, ihren Vater, Bruder und Sohn. Millionen Menschen in aller Welt verfolgten das Ereignis via Fernsehen und Internet. „Seit ich auf der Welt bin war mein Daddy der beste Vater, den man sich vorstellen kann… Ich liebe ihn so sehr.“ Mit diesen Worten rührte Jacksons elfjährige Tochter Paris die Welt zu Tränen. In einem goldenen Sarg, bedeckt mit roten Rosen, wurde der Leichnam des Popstars in die Halle gebracht. Ein inszenierter Tod, so bizarr wie sein Leben. Zwar wurde es keine Inszenierung á la Hollywood, wie zuvor medial gemutmaßt worden war. Auch der größte Massenauflauf der Musikstars blieb aus. Eine Live-DVD von der Trauerfeier ist bis heute nicht erschienen. Stattdessen fiel der letzte Vorhang in Form einer Pop-Messe vom Feinsten.

Zwischen Black and White

Michael Jackson hat die Pop-Musik geprägt wie kein anderer. Nicht nur optisch hat er die Grenzen zwischen Black and White aufgehoben. Manche Fans sind überzeugt: Er hat den Weg geebnet für den ersten schwarzen Präsidenten der USA. Dennoch galt „Jacko“ wohl für die meisten als Freak, als einer, für den es keine Grenzen gab. Wenngleich in einem Prozess freigesprochen, blieb doch der Geruch des Kinderschänders an ihm haften. Kaum jemand kannte den wahrscheinlich größten Pop-Star des vorigen Jahrhunderts wirklich, doch seine Musik hat die meisten von uns geprägt. Wenn wir zum Song „I Just Can’t Stop Loving You“ zum ersten Mal küssten oder uns beim Video zu „Thriller“ fürchteten, gab es diesen Freak nicht. Dann war Jackson ein Entertainer von Meisterklasse, einer der größten Musiker unserer Zeit. Eben der süße Zehnjährige von den „Jackson Five“.

Mit der Trauerfeier kam die Unschuld zurück. Es ging nicht mehr um Missbrauchsvorwürfe und um die oft seltsam anmutenden Auftritte des Stars. Im Mittelpunkt standen seine Musik und der Mensch Michael. „Du, wo sind denn all die bösen Menschen begraben, fragt der kleine Sohn seinen Vater beim Betrachten der Gräber“, heißt es in einem Witz. Die Wahrheit ist: es gibt keine. Mit dem Tod kommt das Menschliche zurück, Eigenheiten und schlechte Taten sind vergessen. Plötzlich hatten wir als Zuschauer das Gefühl, wir hätten dem King of Pop jahrelang Unrecht getan. Und vielleicht ein Stück weit seine Genialität vergessen.

“Gott braucht ihn mehr”

„Seit er ein Kind war, führte Michael Jackson für seine Familie und Fans brav seine Pflichten auf der Bühne aus. Gestern haben sie ihn einmal mehr zu einer Show gezwungen“, wird der britische „Guardian“ am nächsten Tag titeln. Die ungarische Zeitung „Magyar Nemzet“ macht aus Jackson gar eine Erfindung der Amerikaner: „Als Ersatz für den dekadenten Nikolaus haben sie in der Sowjetunion Väterchen Frost geschaffen, in den USA Michael Jackson. Weil die Menschen sich von Gott abgewandt haben, aber trotzdem immer noch jemandem ähneln wollen.“

Nach dem Auftritt eines Gospelchors zu Beginn bringen auch die prominenten Trauerredner immer wieder religiöse Aspekte mit ein. Etwa Sänger Stevie Wonder, als er sagt: „Wir brauchen Michael, aber Gott braucht ihn noch mehr.“ Jetzt und hier finden sie im Glauben Halt. Hinter Wonder, Kollegin Mariah Carey und diversen Predigern blitzen immer wieder sakrale Elemente hervor: bunte Kirchenfenster, die an die Videowall projiziert werden. Es ist ein Dankgottesdienst, eine letzte Messe für den Kurzzeit-Schwiegersohn des King of Rock’n’Roll. Auf aller Welt trauern die Fans auf ihre Weise, einige halten Trauerminuten ab, andere imitieren in den Straßen ihr Idol: zwischen leise und laut, trauernd und bunt. Etwas Besonderes ließ sich ein anonymer deutscher Fan einfallen: Er bat in der kleinen katholischen Pfarre Gündelwangen in Bonndorf um eine Messe in Gedenken an den Star. Da spielte es keine Rolle, dass der streng nach den Regeln der Zeugen Jehovas erzogene Jackson später zum Islam konvertiert war. Im Tod sind alle Menschen gleich – aber vor Gott scheinen sie für viele noch gleicher zu sein.

(Anm.: Den Artikel hatte ich eigentlich im Herbst für „Kirche In“ geschrieben, er wurde dann allerdings aus Platzmangel nie gedruckt. Und hey, bis zum 1. Todestag will ich mit der Veröffentlichung auch nicht warten! ;))