Beschwerdemail an Heute und den Presserat

Per Mail, 7.12., 11:37 Uhr:

Liebe Heute-Redaktion, lieber Chefredakteur Nusser!
Liebe Damen und Herren vom Presserat!
Oft schon muss man bei Ihrer Zeitung beide Augen zudrücken, um nicht täglich Beschwerde-Emails zu einzelnen Berichten zu verfassen. Heute(!) aber reicht es mir. In dem Artikel über den unfassbaren Mord an einer Mutter schreiben die beiden Redakteure Jörg Michner und Wolfgang Höllrigl einfach Unfassbares und Beleidigendes über eine Religion, die zu Recht als solche anerkannt ist. Diese Religion hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Mord, der scheinbar durch Eifersucht motiviert war, zu tun. Sie spielen damit genau jenen Menschen in die Hände, die den Islam per se für eine gefährliche Religion halten. Und das offenbar, um die Verkaufszahlen Leserzahlen (geändert: Heute ist selbstverständlich keine Verkaufs-, sondern eine Gratiszeitung, da waren die Finger wohl schneller als der Kopf ;)) in die Höhe zu treiben…? Sätze wie „In Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf. Partnerinnen betrachten sie als Besitz…“ sind verallgemeinernd, herabwürdigend und gehören nicht in ein Medium, dass sich selbst Zeitung nennt. Mord (aus Eifersucht oder warum auch immer) ist eine schreckliche Sache, darüber brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Unser aller Mitgefühl gehört den Kindern, der Mann gehört dafür bestraft – keine Frage. Echte(!) Journalisten sollten allerdings in der Lage sein, Tatsachenberichte abzuliefern – und nicht religiöse Vorurteile weiter zu schüren.


Liebe Heute-Redaktion, lieber Dr. Nusser, wenn Sie z.B. die Kommentare unter kobuk.at lesen, werden Sie sehen: Nicht nur ich (als jemand, der zwar als Christin erzogen wurde, aktiv allerdings keine Religion ausübt, sondern einfach ein Mensch ist, der findet, dass Menschen aller Glaubensrichtungen friedlich und ohne bewusst geschürte Vorurteile zusammen leben sollen) erwarte umgehend eine Entschuldigung.
Liebe Damen und Herren vom Presserat, bitte greifen Sie ein. Es reicht!
Danke und liebe Grüße, Sabine Karrer

 

Update, 7.12., 11:43 Uhr:

Sehr geehrte Frau Karrer,

sie haben selbstverständlich recht. Ich mich dafür auch öffentlich und in aller Form entschuldigen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Christian Nusser
Chefredakteur

 

Update: Öffentliche Stellungnahme der Chefredaktion

 

Update, 7.12., 12:17 Uhr:

Lieber Herr Dr. Nusser!

Danke für die öffentliche Entschuldigung. Ist mal ein Anfang, weitere Konsequenzen werden hoffentlich tatsächlich folgen, besonders für all jene, die direkt mit diesem rassistischen Artikel befasst waren. Außerdem wäre es fein, stünde die Entschuldigung auch in der morgigen Print-Ausgabe an prominenter Stelle. Evtl. könnten Sie für die Zukunft auch an interne Schulungen für Ihre Redaktion nachdenken oder Ähnliches… Es braucht eben im Beruf des Journalismus Fingerspitzengefühl und Objektivität, aber das wissen Sie ja selbst. So viel zu meinen „Weihnachtswünschen“ an Heute… (und an den Presserat, wenn die sog. „Selbstkontrolle“ der Medien nicht greift…)

Liebe Grüße und alles Gute,
Sabine Karrer

 

Update, 7.12., 19:00 Uhr:

Dass die rassistischen Äußerungen in der Zeitung Heute so hohe Wellen geschlagen haben, lässt hoffen. Offenbar gab es noch ganz viele andere Menschen, die ihrem Ärger bei der Heute-Redaktion und -Chefredaktion, beim Presserat, aber auch im Internet Luft gemacht haben. Die öffentliche (und zugegeben sehr rasche) Stellungnahme bzw. Entschuldigung von Heute-Chefredakteur Christian Nusser war wohl eine erste Reaktion darauf, die vorläufige Beurlaubung der beiden zuständigen Redakteure eine zweite, wohl unausweichliche. Auch wenn Nusser in einem Interview mit medianet.at bereits erläutert hat, wie es überhaupt zur Veröffentlichung eines solch hetzerischen Artikels kommen konnte („Die beiden betreffenden Kollegen hatten Abenddienst und haben ihn in ihrer journalistischen Eigenverantwortung verfasst. Bei größeren Änderungen an Artikeln oder bei jeder Änderung am Cover gibt es  bei ‚Heute‘ die Regelung, dass der Chefredakteur verständigt werden muss. Das ist in diesem Fall nicht geschehen.“) – der Schaden ist nun einmal da. Was gedruckt wurde, wird von vielen Lesern mit Sicherheit ernst genommen – und zumindest an diversen FPÖ-Stammtischen vermutlich munter diskutiert werden.

Franz C. Bauer, Chef der Österreichischen Journalistengewerkschaft, verurteilt das Verhalten der beiden Heute-Redakteure aufs Heftigste: „Das ist nichts anderes als Hetze der allerübelsten Sorte […] Ich fordere ernsthafte Konsequenzen und werde selbstverständlich  meine Kolleginnen und Kollegen im Presserat bitten, sich damit zu befassen“, teilt Bauer mittels Aussendung mit.

Man darf gespannt sein, wie der Presserat reagieren wird. Dort wird im Übrigens inzwischen weit mehr als „(mindestens) eine Beschwerde“ eingegangen sein, denn alleine die eine stammt von mir – und ich habe bereits von zig anderen Menschen gelesen bzw. gehört, dass sie sich ebenfalls an den Presserat wenden wollen/werden. Möge dieser den Fall untersuchen und ein Zeichen setzen. In Wirklichkeit sollten wir ja gar nicht über den Täter, sondern über die Opfer (die ermordete Frau, ihre Kinder, alle ihr Nahestehenden,…) sprechen. Das Problem ist nur: Mit ihren rassistischen Äußerungen haben die beiden Heute-Redakteure eine ganze Gruppe von Menschen einmal mehr zu potenziellen Tätern gemacht. Das kann und darf nicht sein! Und gegen das Schüren solcher Vorurteile muss mit aller Härte vorgegangen werden.

Auf eine Stellungnahme der beiden Verfasser wäre übrigens sicher nicht nur ich gespannt…

Eine Antwort auf „Beschwerdemail an Heute und den Presserat“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.