Schluss mit der Prüderie!

Sie sehen nackte Menschen? Das liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Im Fernsehen, im Kino, auf Plakaten, in FKK- und Sauna-Bereichen, auch Pornografie ist längst nicht mehr etwas, das man nur heimlich unterm Ladentisch erwirbt – lauter Nackte also, wohin Sie schauen. Eigentlich also nichts mehr, womit man heutzutage provozieren könnte. Dachte ich zumindest. Bis auch mich vor wenigen Tagen die große Welle der Erregung… verzeihen Sie, Aufregung, erreichte. Stein des Anstoßes: Ein Plakat des Leopold Museum in Wien. Es wirbt unter anderem mit einer Abbildung mehrerer nackter Fußballspieler für die Ausstellung „nackte männer“. Und ähnlichen Sujets.

Sind wir nicht alle mal nackt?

Also, dass ein Duschgel mit einer nackten Frau beworben wird, leuchtet mir ein. Dass viele Filme ohne Darstellung eines nackten Körpers nicht auskommen, mag oft Kalkül sein – aber ehrlich (und ich hoffe, dass ich Ihnen nicht zu nahe trete): Sind sie nicht auch hin und wieder nackt? Ich bin sogar diejenige, die bis heute nicht verstehen kann, über welche Blasengröße die dargestellten Charaktere verfügen müssen, nachdem Toiletten in Drehbüchern offenbar nicht die Rolle zukommt, die ihnen eigentlich zukommen müsste. Man muss will ja nicht alles sehen, aber das ist doch menschlich. Und was ist mit Haustüren? Haben diese Menschen Angestellte, die die Türe hinter Ihnen schließen?? Entschuldigung, ich schweife ab…

Jedenfalls: Dass eine Ausstellung namens „nackte männer“ mit eben diesen beworben wird… mich wundert das nicht. Ob die Verantwortlichen tatsächlich nicht provozieren wollten… Ich lasse das mal dahin gestellt. Ich vermute, sie haben insgeheim mit entsprechenden Reaktionen gerechnet. (Wer nicht?) Aber in dieser Heftigkeit von manchen Seiten hat das sicher nicht nur mich überrascht!

Venus und David als Provokateure?

Vielleicht können Kunsthistoriker hier weiter helfen: Haben die Zeitgenossen damals auch ähnlich heftig auf unbekleidete Venus- und David-Statuen reagiert? Haben sich Bürgerinitiativen formiert, die die nackten Tatsachen mit selbstgenähten Kleidern verdeckten? Und selbst wenn: War unsere Gesellschaft nicht längst ein Stück weiter in Sachen Prüderie?

Ich finde es wirklich schade, dass die Penisse nun überklebt werden sollen bzw. bereits wurden. Nicht, weil ich unbedingt unbekleidete Männer sehen muss, wenn ich die Straße entlang gehe, verstehen Sie mich nicht falsch. Aber so lange in (Auto-)Werkstätten ganz ungeniert Kalender mit unbekleideten (sehr) jungen Damen hängen und überdimensionale Plakate mit Nackten werben – so lange werde ich mich gegen diese Doppelmoral wehren. Und glauben Sie mir: Sollten wir tatsächlich auf eine neue Welle der Prüderie zusteuern und irgendwann nur noch in Badehose oder Bikini die Sauna betreten dürfen, spätestens dann sollte uns das sehr zu denken geben.

Ich jedenfalls freue mich auf die Ausstellung! Und sollte ich tatsächlich einmal jemanden sehen, der mit seinem Farbeimerchen und seinem Pinselchen vor einem dieser Plakate steht und die geballte Männlichkeit eigenmächtig übermalt, dann werde ich vermutlich an einem Lachkrampf sterben. Ich hoffe aufrichtig, dass es nicht so weit kommen muss! 😉

zum Artikel / fudder.de

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