Autor: sabinekarrer

  • Was ist Liebe? Eine Ausstellung (wird kommen)

    Kann man das überhaupt? Die Liebe ausstellen? Ich sag‘ mal so: Im Herbst werden wir es wissen… Weil es nämlich wieder einmal an der Zeit ist, eine Fotoausstellung zu planen und durchzuführen. Und weil die meisten von uns zwar ständig von Liebe und Verliebtsein sprechen, aber oft gar nicht so genau wissen, was wir damit wirklich meinen. Habt ihr euch nicht auch schon gefragt, wie ihr dieses komische Gefühl in der Magengrube interpretieren sollt? Und wie eine Weiterentwicklung davon aussehen bzw. sich anfühlen könnte?

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  • Boston? Bagdad? Tot ist tot, traumatisiert ist traumatisiert.

    Ich kann manche Diskussionen über den Bombenanschlag in Boston kaum noch aushalten. Man möchte schreien, wenn man die Bilder aus den USA sieht. Und ja, vielleicht geht es nicht allen Europäern so, aber genauso möchte man ich bei den Bildern schreien, die aus Bagdad und anderen Kriegsgebieten dieser Welt gesendet werden.

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  • U-Bahn-Wirrwarr

    Vor meinem inneren Auge läuft gerade folgender Film ab: Hunderte Anhänger einer bestimmten Fußballvereins mussten soeben miterleben, wie „ihre“ Mannschaft das vielleicht wichtigste Spiel der Saison hoch verloren hat. Der Meistertitel scheint in weite Ferne gerückt. Die Stimmung ist aufgeheizt, manche Fans sind alkoholisiert, trotzdem hat es die Masse irgendwie geschafft, sich in die inzwischen eingefahrene U-Bahn-Garnitur zu stapeln. Immer noch mehr Menschen versuchen, sich in den Zug zu drängen. Wenigstens geht es jetzt nach Hause.

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  • Gleiches Recht für alle!

    Kommenden Freitag heiraten zwei liebe Freundinnen von mir. Eigentlich ist „heiraten“ ja das falsche Wort, offiziell nennen wir es in Österreich „Eingetragene Partnerschaft“. Wieso? Weil die (von Menschen gemachte!) Ehe zwischen Mann und Frau angeblich heilig und damit nicht für jeden zugänglich ist. Schlimm genug. Ich darf übrigens auch keine Trauzeugin sein, sondern nur irgendeine Begleitperson. Immerhin hat der Verfassungsgerichtshof den Paaren mittlerweile das Recht auf offizielle „Begleitpersonen“ zugesprochen. Bis vor ein paar Wochen hätte es für mich noch geheißen: Dabei sein ist alles. Juhu. Immerhin.

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  • Zur Aufschrei-Diskussion: Dann starr‘ mir nicht auf die Bluse!

    Gerade bin ich auf einen Artikel zur Aufschrei-Diskussion gestoßen, der mich ziemlich verärgert hat. In Dann mach doch die Bluse zu! von Birgit Kelle verharmlost die Autorin meiner Meinung nach, worum es in der öffentlichen Debatte geht: Dass Frauen kein Freiwild sind! Und zwar egal, wie viele Knöpfe ihrer Bluse sie öffnen oder wie kurz sie ihre Röcke tragen. Das gleiche gilt übrigens auch für Männer: Ich würde niemals einem Mann, der in irgendeiner Weise von mir abhängig ist (Mitarbeiter, Journalist, auch nicht dem Kellner im Restaurant,…) ungeniert auf den Hintern starren oder ihn unverblümt fragen, wie oft in der Woche er denn zum Fitness geht mit seinen kräftigen Oberarmen. Das gehört sich einfach nicht, das passt nicht.

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  • Warum ich nicht will, dass Paul zwangsverpflichtet wird

    Die „Schlacht“ um Berufsheer oder allgemeine Wehrpflicht ist also geschlagen. Was mich freut: Die überraschend hohe Wahlbeteiligung von rund 50 Prozent. Nein, viel ist das nicht. Aber unter den Umständen war es nicht zu erwarten. Was mich überrascht: Dass offenbar nur 2,5 Prozent der Stimmen ungültig waren. Nicht, dass ich es toll fände, ungültig zu wählen, aber es hat mich eben überrascht, dass doch so viele eine eindeutige Meinung zu dem Thema hatten.

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  • …und jetzt sprechen wir mal über Gewalt gegen Frauen

    „Ob aus Rache, Liebe, Eifersucht, Neid oder Machtgier, die Motive für Mord lassen
    sich fast immer auf sehr einfache Urinstinkte zurückführen“, heißt es in dem 2009 veröffentlichten Bericht des Österreichischen Bundesministeriums für Inneres zum Thema „Polizeiarbeit bei Mord“. Die Gründe, die Menschen zu Beziehungsmördern werden lassen, seien vielschichtig, steht darin außerdem: „Die Täter wollen sich vorzeitig das Erbe sichern, der Ehemann stört die neue Beziehung der Frau, die Partnerin strebt die Trennung an oder die Schwiegermutter meckert zu viel. Verzweiflung und das Unvermögen, mit der Situation zu Recht zu kommen, sind zumeist Auslöser dieser Taten. Zwischenmenschliche Probleme können Beziehungsmörder nur auf eine Art lösen: indem sie töten. Ein Großteil der Täter-Opfer-Paare war verheiratet. Ein erheblicher Teil lebte in Trennung oder Scheidung, oft aber immer noch in der gemeinsamen Wohnung.“ Übrigens sind (ebenfalls laut diesem Bericht) Messer bei Beziehungsmorden die am häufigsten verwendeten Tatwaffen.

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  • Beschwerdemail an Heute und den Presserat

    Per Mail, 7.12., 11:37 Uhr:

    Liebe Heute-Redaktion, lieber Chefredakteur Nusser!
    Liebe Damen und Herren vom Presserat!
    Oft schon muss man bei Ihrer Zeitung beide Augen zudrücken, um nicht täglich Beschwerde-Emails zu einzelnen Berichten zu verfassen. Heute(!) aber reicht es mir. In dem Artikel über den unfassbaren Mord an einer Mutter schreiben die beiden Redakteure Jörg Michner und Wolfgang Höllrigl einfach Unfassbares und Beleidigendes über eine Religion, die zu Recht als solche anerkannt ist. Diese Religion hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Mord, der scheinbar durch Eifersucht motiviert war, zu tun. Sie spielen damit genau jenen Menschen in die Hände, die den Islam per se für eine gefährliche Religion halten. Und das offenbar, um die Verkaufszahlen Leserzahlen (geändert: Heute ist selbstverständlich keine Verkaufs-, sondern eine Gratiszeitung, da waren die Finger wohl schneller als der Kopf ;)) in die Höhe zu treiben…? Sätze wie „In Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf. Partnerinnen betrachten sie als Besitz…“ sind verallgemeinernd, herabwürdigend und gehören nicht in ein Medium, dass sich selbst Zeitung nennt. Mord (aus Eifersucht oder warum auch immer) ist eine schreckliche Sache, darüber brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Unser aller Mitgefühl gehört den Kindern, der Mann gehört dafür bestraft – keine Frage. Echte(!) Journalisten sollten allerdings in der Lage sein, Tatsachenberichte abzuliefern – und nicht religiöse Vorurteile weiter zu schüren.

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  • Schluss mit der Prüderie!

    Sie sehen nackte Menschen? Das liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Im Fernsehen, im Kino, auf Plakaten, in FKK- und Sauna-Bereichen, auch Pornografie ist längst nicht mehr etwas, das man nur heimlich unterm Ladentisch erwirbt – lauter Nackte also, wohin Sie schauen. Eigentlich also nichts mehr, womit man heutzutage provozieren könnte. Dachte ich zumindest. Bis auch mich vor wenigen Tagen die große Welle der Erregung… verzeihen Sie, Aufregung, erreichte. Stein des Anstoßes: Ein Plakat des Leopold Museum in Wien. Es wirbt unter anderem mit einer Abbildung mehrerer nackter Fußballspieler für die Ausstellung „nackte männer“. Und ähnlichen Sujets.

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  • Karma

    Manche Geschichten kann man nicht erfinden. Sie passieren einfach. Ganz ohne Drehbuch. Und im Gegensatz zu Film und Fernsehen haben diese leider nicht immer ein Happy End – auch wenn alles richtig gemacht wurde.

    Dieses junge Paar lebt erst seit einigen Monaten zusammen. Der ewig brüllende Nachbar hat ihre Beziehung von Anfang an auf eine harte Probe gestellt. Ständig Klopfgeräusche aus der Wohnung unter ihnen. Brüllorgien („A Ruh‘ is!“, „Ich ruf‘ die Polizei!“). Immer wieder Sturmläuten mit anschließenden (halb-)cholerischen Ausbrüchen. Was die beiden gemacht haben? Gelebt. In der Wohnung herumgegangen. Ganz normal, wie jeder das eben so tut. In der Küche am Herd gestanden und gekocht. Eine Einweihungsparty hat bis heute nicht stattgefunden – aus Sorge, den Nachbarn unnötigerweise noch mehr zu provozieren. Provokation durch Leben – so weit war es also schon gekommen. Irgendwann haben die Freunde aufgehört, danach zu fragen.

    Schicksalhafter Tag

    Dann dieser eine Tag. Frühmorgens, lange vor Sonnenaufgang. An Stelle von Sonnenstrahlen wird das Paar durch laute Schreigeräusche geweckt. Hilfeschreie. Sie kommen aus der Wohnung darunter. Als sie hinunterlaufen und an der Tür klingeln, macht die Frau auf. Ihr Mann liegt wohl ohne Bewusstsein am Boden. Vielleicht das Herz, könnte man vermuten. K. übernimmt sofort die Reanimation, M. weist währenddessen die Rettung ein. Alles Menschenmögliche wird getan, um den Nachbarn zu retten.

    Abends kommt K. von der Arbeit nachhause. Trotz aller Quereleien der letzten Monate: Sie will wissen, wie es dem Nachbarn geht. Klingelt an seiner Tür. Die Frau öffnet ihr. Sagt, er hätte es nicht überlebt. Leider.

    Man weiß nie, wer da ist

    Ich will nicht unbedingt von Karma sprechen, niemand hätte sich gewünscht, dass es so kommt. Wirklich niemand. Ein Menschenleben ist zu Ende, obwohl dem Mann geholfen wurde. Wir alle kannten ihn nur als jemanden, der anderen das Leben schwer gemacht hat. Ich selbst habe dem jungen Paar mehrmals geraten, sich an die Hausverwaltung zu wenden. Eine Art Mediation einzuschalten. Irgendwas. Wenn man selbst in seinen eigenen Wänden nicht mehr in Harmonie leben kann, läuft doch irgendetwas gewaltig falsch… Dass der Nachbar vermutlich nicht einmal mehr mitbekommen hat, WER ihm in dieser Situation geholfen hat, ist auch schade. In meiner Fantasie hatte ich tatsächlich die Vorstellung, er käme nach langem Krankenhaus- und Reha-Aufenthalt wieder nachhause und wäre plötzlich der beste (weil dankbarste) Nachbar, den man sich vorstellen kann. Vielleicht sogar mit gegenseitigen Einladungen zu Kaffee und Kuchen. Oder Fußballschauen mit Bier und Chips. Naja.

    Auf die beiden bin ich jedenfalls sehr stolz. Nicht jeder hätte so reagiert wie sie. Und das ganz unabhängig vom persönlichen Verhältnis zwischen den beiden Parteien. Solche Nachbarn kann man sich eigentlich nur wünschen, nicht wahr? Querulanten dieser Welt (auch Ihnen, meinem Nachbarn, der wieder brüllt, was das Zeug hät, während ich diese Zeilen schreibe), euch sei Folgendes gesagt: Ihr wisst nie – wirklich niemals! -, wer eines Tages für euch da sein wird, wenn es euch schlecht geht. Es könnte genau der Mensch sein, den ihr euch einst zum Feind gemacht habt.